FIT IM SCHUH

Besser Laufen mit der richtigen Einlage
Beratung im Sport 2000 | © Stefan Leitner

Übersicht

Veröffentlicht am 12.07.2022, Lesedauer: 6 Minuten

Hannes Hudelist ist SPORT-2000-Running-Profi in der Sportwerkstatt in Klagenfurt und spezialisiert auf Fußanalyse, Orthopädietechnik sowie maßgefertigte sensomotorische Einlagen für Sportler. Wir haben den Fußexperten zum Thema „Einlagen für Läufer“ interviewt und dabei neue Einblicke in der Welt der Füße, Schuhe und Sohlen gewonnen.

Hallo Hannes, die erste Frage ist hoffentlich ein Selbstläufer: Was ist deine Motivation zum Laufen?

Als ich 1979 zum ersten Mal Jimmy Carter im Fernsehen „joggen“ sah, dachte ich mir, wenn der amerikanische Präsident das macht, dann muss das wohl etwas Gutes sein! Das war der Auslöser. Heute würde ich das sicherlich etwas genauer hinterfragen (lacht). Letztendlich sollte mich das Laufen aber von da an mein ganzes Leben lang begleiten. Anfänglich wollte ich wohl trendy sein, später war ich dann leistungsorientiert und wollte immer besser und schneller werden. Heute laufe ich, um mich zu entspannen, meinen Kopf für neue Ideen und Herausforderungen freizubekommen und natürlich um Körper, Geist und Seele fit und gesund zu erhalten.

„Heute gibt es keinen schlechten Laufschuh mehr am Markt. Der gute Laufschuh ist schlicht und ergreifend jener, der zu dir passt.“

 

Was macht für dich einen guten Laufschuh aus? Was sollte man beim Kauf beachten? 

Heute gibt es keinen schlechten Laufschuh mehr am Markt. Der gute Laufschuh ist schlicht und ergreifend jener, der zu dir passt. Du solltest zwischen den Eigenschaften des Laufschuhs – da geht es um Dinge wie Einsatzgebiet, Stabilität, Sprengung, Dämpfung, Leistenform usw. – und deinen persönlichen Voraussetzungen – wie anatomische und biomechanische Vorgaben, Lauftechnik, Rumpfstabilität, muskuläre Dysbalancen (nur in der Bewegung zu sehen) usw. – unterscheiden.

Sehr häufig liegen dein subjektives Empfinden und das reale Ergebnis der Laufbandanalyse weit auseinander. Wie man unschwer erkennen kann, benötigt man für die Auswahl der richtigen Laufschuhe eine Menge an Informationen. Praktisch jeder namhafte Anbieter bietet online einen eigenen Schuhfinder. Sicherlich ein guter Ansatz. Trotzdem kann diese Software nicht mit einer soliden Beratung in einem Running-Profi-Fachgeschäft inklusive Laufbandanalyse mithalten. Laufschuhkauf ist Vertrauenssache. Schließlich geht es um deine Gesundheit!

Braucht ein gesunder Läufer überhaupt Einlagen? Welche Zielgruppe sprichst du mit deinem Service an?

Eines vorweg: Einlagen sind nicht gleich Einlagen! Ich unterscheide zwischen Einlagen für gesunde Füße, die hauptsächlich den Komfort im Schuh verbessern und den Fuß, wenn er müde wird, in seiner physiologischen Form halten. Einlagen dieser Art werden industriell produziert und vorwiegend im guten Sportfachhandel angeboten. Sie sollten den Fuß auf keinen Fall korrigieren. Meine Zielgruppe kommt entweder präventiv, um Verletzungen vorzubeugen oder bereits mit einer medizinischen Indikation vom Facharzt. Sporteinlagen nach Maß werden vom Orthopädie- oder Orthopädieschuhtechniker angefertigt. Die Aufgabe einer medizinischen Einlagenversorgung ist es, mittels einer fundierten Analyse die Ursache zu erkennen, dann die Symptome und Schmerzen zu lindern und im Idealfall zu beseitigen.

Was würdest du einem ambitionierten Wettkampfläufer empfehlen? Kann man mit Einlagen auch die Leistung verbessern?

Wenn ich mit der richtigen sensomotorischen Sporteinlage das Verletzungsrisiko minimiere, werde ich indirekt auch die Leistung verbessern. Grundsätzlich benötige ich aber für eine Leistungssteigerung ein umfassendes Gesamtkonzept inklusive medizinischer Bewegungsanalyse, Spiroergometrie, richtiger Ernährung im Training und Wettkampf usw.

Mit welchen Problemen kommen Läufer zu dir?

Häufig mit einer ausgeprägten, manchmal bereits chronischen Schmerzsymptomatik. Das kann die Füße, die Achillessehne, bevorzugt das obere Sprunggelenk, die Schienbeinkante, das Kniegelenk in allen Facetten, die Harmstrings, die Iliosakralgelenke, das Becken und die Lendenwirbelsäule betreffen. Ist die Verletzung mit statischer Diagnostik (MRT, CT, Röntgen usw.) nicht klar zuordenbar, kommt die medizinische Bewegungsanalyse ins Spiel.

Wie kannst du diese Probleme lösen?

Um so ein Problem lösen zu können, bedarf es einer genauen Ursachenfindung. So beginnt alles mit einer fundierten Analyse. Das daraus resultierende Behandlungskonzept kann von einer Versorgung mit sensomotorischen Sporteinlagen inklusive entsprechenden Laufschuhen bis zum Rumpfstabilisations-, Koordinations- und Lauftechniktraining alles beinhalten. 

Fußanalyse und/oder Laufanalyse bevor man sich eine Einlage machen lässt? Was sind die Unterschiede? Wie laufen diese Analysen ab?

In der Regel wird man für eine Einlagenversorgung mit einer statischen und dynamischen Pedobarographie (Fußdruckmessung) und einem Laufband-Kontrollcheck mit und ohne Schuhe gut auskommen. Du bekommst Informationen zu unterschiedlichen Beinlängen, Beinachsen-Fehlstellungen, ISG-Einschränkungen, Fußfehlstellungen, aber auch, ob die Schuhe zu dir passen. Zusätzliche Information liefert dann die medizinische Bewegungsanalyse. Dabei wird unser Kunde mit 24 Markierungspunkten versehen und am Laufband in seinem Tempo mit zwei Kameras von allen Seiten gefilmt. Wenn vorhanden, werden auch die im Moment getragenen Laufschuhe einbezogen und beurteilt.

Die Nachbesprechung erfolgt gemeinsam mit unserem Sportwissenschaftler und Reha-Trainer. Die medizinische Bewegungsanalyse gibt Auskunft über muskuläre Dysbalancen, Rumpfmuskulatur, Koordinationsfähigkeit, Lauftechnik und/oder Fußfehlstellungen in der vollen Laufbewegung. Und genau auf dieser Betrachtung des Athleten in der vollen Dynamik von Ferse bis zur Halswirbelsäule in Superzeitlupe beruht der Erfolg eines Bewegungslabors. Denn auf Basis dieser Erkenntnisse können wir nun ein maßgeschneidertes Behandlungskonzept entwickeln. 

„Es ist selbst für mich immer wieder spannend, dass Athleten mit einem ausgeprägten Senkfuß und einer ordentlichen Überpronation auf der Druckmessplatte stehen und dann mittels sauberer Lauftechnik und guter muskulärer Arbeit völlig neutral laufen.“

Welchen Einfluss haben die Ergebnisse der Fuß und/oder Laufanalyse auf die Schuhwahl bzw. Einlage? Kannst du uns das anhand von Beispielen schildern?

Natürlich sind die Ergebnisse dieser Analysen eine gute Basis für eine eventuelle Einlagenversorgung bzw. für die Auswahl des für dich passenden Laufschuhs. Und es ist selbst für mich immer wieder spannend, dass Athleten mit einem ausgeprägten Senkfuß und einer ordentlichen Überpronation auf der Druckmessplatte stehen und dann mittels sauberer Lauftechnik und guter muskulärer Arbeit völlig neutral laufen. Statisch betrachtet mit Einlagen und gestützten Schuhen gut versorgt, dynamisch betrachtet eine klassische Fehlberatung. Dem Einsatz von Einlagen sollte in jedem Fall immer eine solide Indikation bei Bedarf auch in Abstimmung mit dem behandelnden Sportarzt zugrunde liegen. 

Wie kann man sich den Entstehungsprozess einer maßgefertigten Sohle vorstellen? Wie viel Technik und vor allem wie viel Handarbeit stecken in diesem Produkt?

Es ist für mich spannend, was heute alles unter dem Begriff „maßgefertigte Einlagen“ sogar im Internet ohne persönlichen Kontakt angeboten wird. Natürlich hat sich das Handwerk speziell in den letzten 15 Jahren stark verändert. Auch bei uns hat der Computer, die CNC-Fräse und der 3D-Drucker Einzug gehalten. Ich habe mich schon vor Jahren dazu entschlossen, meinen eigenen Weg zu gehen. So verarbeite ich ausschließlich sehr hochwertige, industriell vorgefertigte Sportrohlinge, die dann von Hand am entspannten Fuß thermisch angepasst und veredelt werden. Am Ende steht der Läufer auf seinen korrigierten Fußgewölben und wird zusätzlich durch eingearbeitete Infospots muskulär unterstützt. Jetzt müssen die Einlagen noch auf die Laufschuhe abgestimmt werden. Mit Ausnahme des Rohlings ist so gut wie alles Handarbeit. 

Was kostet so eine Analyse plus maßgefertigter Einlage in etwa?

Sporteinlagen gibt es nur im Paket mit einer Pedobarographie und einem Laufband-Kontrollcheck, sie kosten bei uns je nach Ausführung zwischen 165 und 185 Euro. Die medizinische Bewegungsanalyse kostet 230 Euro und dauert ca. zwei bis drei Stunden inklusive sportwissenschaftlicher Beratung.

Wie lange kann man eine maßgefertigte Einlage im Laufschuh verwenden? Ist sie auch problemlos auf den nächsten Schuh übertragbar?

Je nach Belastung, die von Körpergewicht und Lauftechnik abhängig ist, solltest du deine Sporteinlagen nach ca. 800 bis 1.000 km kontrollieren lassen. Wenn es keine Auffälligkeiten gibt und der neue Laufschuh den gleichen Leisten und die gleiche Größe aufweist, kannst du die Einlagen weiterhin verwenden. Beim Markenwechsel muss möglicherweise eine Nachanpassung vorgenommen werden.

„Ich denke, dass man nicht beim Fuß aufhören darf, wenn man das Wunderwerk Fuß verstehen will. Unsere myofaszialen Verkettungen enden nicht beim Sprunggelenk, sondern in der Halswirbelsäule.“

Trägt der Fußexperte auch selbst Einlagen beim Sport?

Als „Experte“ sehe ich mich selbst nicht (lacht). Aber ja, das Thema Orthopädie und Sport begleitet mich natürlich schon über 40 Jahre und als Bewegungsanalytiker mit eigenem Sportlabor sehe ich natürlich auch vieles in diesem Bereich, also einigen wir uns auf „Erfahrung beim Thema Fuß“ (Augenzwinkern). Ich denke, dass man nicht beim Fuß aufhören darf, wenn man das Wunderwerk Fuß verstehen will. Unsere myofaszialen Verkettungen enden nicht beim Sprunggelenk, sondern in der Halswirbelsäule. Mittlerweile trage ich bei längeren Läufen (ab zehn Kilometer aufwärts) tatsächlich selbst Sporteinlagen. Mein Bewegungsapparat ist halt auch nicht mehr ganz neu, da darf man schon ein bisschen supporten!

Kritiker führen an, dass Einlagen eine Abhängigkeit verursachen und nur temporär gegen Symptome wirken, aber langfristig keine Lösung sind. Was meinst du dazu?

Warum sollten Einlagen zu einer Abhängigkeit führen?! Einlagen fallen nicht unter das Suchtmittelgesetz. Wenn ich eine Fußfehlstellung habe, kann ich natürlich versuchen, diese mit Übungen zu beseitigen (vorzugsweise spiraldynamisch nach Dr. Christian Larsen). Ich kann mich zusätzlich für eine gut passende Einlagenversorgung entscheiden, um meine Schmerzen rascher in den Griff zu bekommen. Die immer noch umhergeisternde Meinung, dass Einlagen die Muskulatur schwächen würden, ist wohl jenen Kritikern zuzuordnen, die bei der starren Metall- oder Plexidureinlage in den 90iger Jahren stehen geblieben sind. In der Zwischenzeit gibt es genug wissenschaftliche Studien, die belegen, dass sensomotorische Einlagen über Impulspunkte Reize an das zentrale Nervensystem des Körpers senden und so zu einer Veränderung im Muskeltonus führen (Studie von  Woltring/Springer). Klar sind Einlagen kein Allheilmittel, aber sicher kein Marketinggag!

Welche neuen Entwicklungen haben die letzten Jahre gebracht? Wie siehst du die Zukunft des Laufens?

Die Laufschuhentwicklung schreitet rasant voran und reagiert rasch auf die Marktveränderungen. Der geländegängige Laufschuh verzeichnet zweistellige Zuwächse. Mit Natural Running hat man in Richtung „weniger ist mehr“ neue Maßstäbe gesetzt. Mit Carbon-Sohlen ist man gerade dabei, den Straßenlaufschuh zu revolutionieren. Auch Laufschuhe ganz ohne Sprengung sind in Europa am Vormarsch. Selbst Barfußschuhe gibt es in den verschiedensten Ausführungen. So stehe ich der Zukunft des Laufens sehr positiv gegenüber. Der Mensch ist ja schließlich „born to run“! Und auch der Faktor Zeit spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Bei welcher Sportart kann man in verhältnismäßig kurzer Zeit so viel für Körper, Geist und Seele tun?! 

ON Cloudrunner – Laufen wie auf Wolken

Der Name sagt eigentlich alles, der Cloudrunner fühlt sich bereits beim Reinschlüpfen extrem komfortabel an und fördert ein leichtes und gedämpftes Laufgefühl – wie auf Wolken! Die Schweizer Innovation Cloudtec© mit der Mittelsohle aus Zero-Gravity-Schaum dämpft den Aufprall und absorbiert horizontale und vertikale Kräfte. So weich bist du noch nie auf Asphalt gelaufen! Darüber hinaus umhüllt Schaumstoff den ganzen Fuß, das bringt maximalen Komfort und Stabilität. Das breite Speedboard© sorgt für optimale Energierückgewinnung und ein agiles Laufgefühl. Mit der Laufsohle aus Gummi sind Grip und eine perfekte Kraftübertragung garantiert. Für ein federleichtes und angenehmes Laufgefühl auf der Straße, egal ob für lange oder kurze Strecken.

On Cloudrunner Laufschuh | © On

 

Hannes Hudelist

  • Orthopädietechnik-Meister
  • Spezialisiert auf Sportorthopädie
  • Zertifizierter Bewegungsanalytiker
  • Trailguide
  • Geschäftsführer von Hudelist Sport- und Gesundheitswerkstatt
  • www.sportwerkstatt-hudelist.at
Hannes Hudelist | © SPORT 2000

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