Schneller laufen mit Carbon

Alles was du über Carbon Schuhe wissen musst
Läuferin im Sprint | © Stefan Leitner

Übersicht

Veröffentlicht am 20.06.2022, Lesedauer: 8 Minuten

Seit dem Durchbruch der magischen Zweistundenmauer beim Marathonweltrekordversuch von Eliud Kipchoge 2019 in Wien unter optimierten Bedingungen ist die Laufwelt eine andere. Der revolutionäre technische Entwicklungssprung im Bereich der Laufschuhe hat alles verändert. Carbonschuhe sind seitdem in aller Munde und bei Wettläufen auf fast jedem Siegerpodest zu finden. Was macht diese Schuhe so schnell? Wie viel schneller ist man damit überhaupt? Wie funktionieren diese Schuhe und was muss man als Läufer beachten, wenn man damit läuft? Wir machen uns auf die Suche nach dem Geheimnis der Carbonschuhe.

Aufwärmen mit Hoka Schuh | © Stefan Leitner

Vom Raumfahrtmaterial zur Schuhrakete

Carbon ist ein extrem leichtes und zugleich sehr steifes Material, das bis vor einigen Jahren nur aus den Bereichen Raumfahrt und Autoindustrie oder aus der Radszene bekannt war. Hier ging es jeweils um Gewichtreduzierung bei gleichzeitiger Erhaltung der Stabilität und Funktionalität. Diese Ansprüche ließen sich mit Carbon optimal erfüllen, besser als mit jedem anderen Material. Nun aber auch Carbon im Laufsport. Experimentiert wurde damit bereits in den 1990er Jahren, die Technik war damals aber noch nicht ausgereift und sehr teuer, sodass der Erfolg ausblieb. Heute ist das anders: Carbonschuhe gehören zum gewohnten Bild bei Laufwettbewerben. Obwohl der optische Eindruck der Carbonschuhe aufgrund der voluminösen Sohle nicht dem gängigen Bild eines schnellen Laufschuhes entspricht, sind die Zahlen eindeutig: Regelmäßig purzeln Welt-, Landes- und Streckenrekorde durch Läufer mit Carbonschuhen.

Offizielle Laufrekorde, die mit Carbonschuhen aufgestellt wurden:

  • 2018 Herren-Marathonweltrekord von Eliud Kipchoge (Kenia): 2:01:39
  • 2019 Frauen-Marathonweltrekord von Brigid Kosgei (Kenia): 2:14:04
    Damit wurde die 16 Jahre alte Bestmarke der Britin Paula Radcliffe um mehr als eine Minute verbessert.
  • 2020 Österreichischer Marathonrekord der Herren von Peter Herzog: 2:10:06
  • 2020 Österreichischer Marathonrekord der Frauen von Eva Wutti: 2:30:43

Bereits 2019 wurden 86 % der Podiumsplätze bei den sechs World Marathon Majors von Carbonschuhläufern besetzt! Auch deshalb war der Einsatz der Schuhe einige Zeit umstritten, immerhin hat man durch dieses Material einen messbaren Wettbewerbsvorteil. Deshalb wurde eine maximale Sohlendicke von vier Zentimetern mit nur einer erlaubten Schicht Carbon festgesetzt, damit es in Zukunft nicht zu einer ausufernden Materialschlacht kommt. Klar ist aber auch, dass durch diese Erfolge nun fast alle bei Wettbewerben mit Carbonschuhen laufen wollen. Aber was ist das Geheimnis dieser Schuhe?

Aussicht von Berg auf See | © Sport 2000

Schneller laufen mit Carbon

Das Besondere an Carbonschuhen ist die Carbonfaserplatte in der Mittelsohle. Diese ist extrem steif und formstabil. Man fragt sich zurecht, wie so eine harte Platte einen Läufer schneller machen kann? Das Geheimnis liegt in der Kombination des Carbonelements mit dem weichen und rückfedernden Mittelsohlenmaterial. Es geht dabei um Energierückgewinnung. Die Energie beim Abdrücken des Fußes vom Boden wird wie bei einer Feder zurück in die Laufrichtung abgegeben. Im Detail wirkt sich das so beim Laufen aus: Man spart etwas Energie, weil die Zehen beim Abrollen nicht mehr gekrümmt werden müssen. Das ist auf die unflexible Sohle (die den Fuß versteift) zurückzuführen.

Gleichzeitig gibt die steife Sohle den Druck direkt an das responsive Dämpfungsmaterial weiter und dieses die Verformungskräfte wieder zurück an den Läufer. Im Endeffekt braucht man dadurch signifikant weniger Muskelkraft für den Vortrieb. Dieser Effekt ist auch wissenschaftlich bestätigt. Beim Marathon ist man mit Carbonschuhen ca. drei bis vier Prozent schneller als ohne. Das sind im Leistungssport Welten! Die Leistungssteigerung beschränkt sich aber nicht nur auf Spitzenläufer: Auch Hobbyläufer können mit Carbonschuhen schneller laufen, sofern man weiß wie.

Richtig laufen mit Carbonschuhen

Mit Anziehen und einfach Draufloslaufen ist es bei Carbonschuhen nicht getan. Dafür braucht es eine gute und saubere Lauftechnik und die nötigen körperlichen Voraussetzungen. Denn die neuen Meisterschuhe fordern nämlich etwas mehr Belastung für Achillessehne und Wadenmuskulatur. Laut Forschungsergebnissen nimmt die Belastung um ca. 15 Prozent für besagte Bereiche zu. Überlastungen und Verletzungen sollte man also auf keinen Fall riskieren, wenn man nicht die körperlichen und lauftechnischen Voraussetzungen dafür mitbringt. Also erst verwenden, wenn man wirklich gut trainiert ist und vor dem Erstkauf eine Beratung im Fachhandel einholen.

Vor- und Nachteile von Carbonschuhen

Für einen Freizeitläufer, der eher ein mäßiges Tempo läuft, ergeben Carbonschuhe keinen Sinn. Warum? Weil durch die längere Bodenkontaktzeit der Rückfedereffekt ausbleibt. Die positiven Effekte treten also erst bei höheren Geschwindigkeiten auf. Ein Carbonschuh ist ein Wettlaufschuh. Da geht es um Zeitenverbesserung für fortgeschrittene Läufer. Daher sollte man Carbonschuhe auch bewusst einsetzen. Also nur bei Wettkämpfen und schnellen Trainingseinheiten. Denn Carbonschuhe sind auch teurer und nach ca. 250 bis 300 km ausgelaufen. Danach ist der Schnellfaktor dahin. Das muss einem beim Kauf bewusst sein. Also nur für Wettkampf und schnelle Trainingseinheiten verwenden!
 
Fazit: Wettkampfläufer und fortgeschrittene Läufer können mit Carbonschuhen ihre Zeiten signifikant verbessern, das zeigen Forschungs- und Rennergebnisse. Man sollte sie aber nur verwenden, wenn man gut austrainiert ist und technisch sauber läuft, sonst riskiert man Überlastungen und Verletzungen.

Schritt mit Hoka Schuh | © Stefan Leitner

 

HOKA Carbon X 3 

Der neue Hoka Carbon X 3 ist die logische Weiterentwicklung für den Top-Level-Anspruch. Dank einer neuen Schaumstoff-Zwischensohle liefert er noch mehr Vortrieb als sein Vorgänger. Das Obermaterial aus Premium-Performance-Strick sorgt für eine verbesserte Passform und mehr Halt. Das Winning-Team aus reaktionsfähiger Carbonfaserplatte und einem aggressiven Meta-Rocker ist wieder mit an Bord. Das Gewicht wurde gegenüber dem Carbon X 2 um 17 g reduziert – so ist man noch leichter auf der Strecke unterwegs. 

Fortschritt kennt keine Pause
Hoka steht für Fortschritt und Erfolg im Laufsport. In Hoka-Schuhen werden reihenweise Wettkämpfe gewonnen und neue Weltrekorde aufgestellt. Mit dem Carbon X 3 von Hoka läuft man dem Fortschritt auf Tuchfühlung.

UVP: € 140,–

Bleib auf dem Laufenden.

Alle sportlichen Trends und Aktionen im Blick zu haben, ist dein Ziel? Dann melde dich jetzt für unseren Newsletter an.

ZUM NEWSLETTER ANMELDEN