Frauenpower im Alpinismus

Am Weg zur persönlichen Erstbesteigung
Matterhorn | © Sport 2000

Übersicht

Veröffentlicht am 17.09.2021, Lesedauer: 5 Minuten

Das Matterhorn (4.478 m) steht für einen Meilenstein der Alpinismus-Geschichte: Die Erstbesteigung durch Edward Whymper im Jahr 1865 ist vielen ein Begriff. Doch eine weitere Premiere am Matterhorn, nämlich die Erstbesteigung durch eine Frau im Juli 1871, gilt als richtungsweisendes Ereignis im Alpinismus. Zu jener Zeit waren Frauen im Bergsport kaum integriert und hatten nur wenig Möglichkeiten, alpine Projekte in die Realität umzusetzen. Umso beeindruckender war der Aufstieg der Britin Lucy Walker, die vielen Skeptikern den Rücken kehrte, und sich aufmachte, um Geschichte zu schreiben.

Der Aufstieg ist genau 150 Jahre her, doch ihr Vermächtnis nach wie vor präsent. Das Jubiläum ist eine gute Gelegenheit, um das persönliche Berg-Projekt (wieder) ins Auge zu fassen: Diesen einen Gipfel zu erklimmen, von dem man schon so lange träumt. Was ist wichtig für einen Aufstieg auf einen Berg wie das Matterhorn? Welches Equipment, welche Strategie, wie viel Know-how muss man mitbringen? Matthias Eder, Bergsportler und Marketing-Leiter von Mammut verrät im Interview, worauf es bei so einem Projekt ankommt.

Lucy Walker | © Sport 2000

 

Lucy Walker im Portrait


Lucy Walker wurde 1836 in eine Welt geboren, in der der Alpinismus noch in den Kinderschuhen steckte. Als sie in der zweiten Hälfte der 1860er mit ihren Bergfahrten begann, rückte irgendwann die „schönste aller Trophäen” in den Mittelpunkt: das Matterhorn. Schon 1869 und nur vier Jahre nach der Erstbesteigung durch Edward Whymper versuchte eine andere Bergsteiger-Größe, die US-Amerikanerin Meta Brevoort, ihr Glück, doch das Wetter zwang sie auf etwa 4.000 m zur Umkehr. Als Lucy Walker am 22. Juli 1871 ihren Aufstieg im Flanellrock wagte, war auch Brevoort nicht weit weg, doch Walker zog ihren Versuch am Horu durch und wurde zur berühmtesten Bergsteigerin ihrer Zeit. Lucy war gemäß ihres Nachrufs bekannt für ihre Herzlichkeit, ihren Humor und ihr aufgewecktes Wesen. Charaktereigenschaften, die auch heute am Berg noch häufig anzutreffen sind. 

Matterhorn am Winter | © Sport 2000

Auf Spurensuche in Zermatt

Triumph und Tragödien prägen die Bergsteigergeschichten rund um das Matterhorn. Wer in die Vergangenheit eintauchen oder die Gegenwart beobachten will, findet in Zermatt einige Möglichkeiten dazu:

  • Matterhorn-Museum

  • Foto-Points, um Bergsteiger im Aufstieg zu beobachten

  • Walk of Climb

  • Bergsteigerfriedhof

  • Stammquartier der Alpinisten (Hotel Monte Rosa)

Zum 150-jährigen Jubiläum veranstaltet Zermatt mehrere Lucy Walker-Highlights. Von Mai 2021 bis Oktober 2022 stellt der Ort mit der Ausstellung „NEUE PERSPEKTIVEN: Frauen in Zermatt – gestern und heute” die Rolle der Frauen in der Zermatter Geschichte in den Mittelpunkt.

Aufstieg Matterhorn (4.478 m) über das Liongrat

 

  • Schwierigkeit: 3 +

  • Zustieg: ca. 2 h

  • Kletterzeit: ca. 5 h

  • Abstieg: ca. 7 h

  • Gesamtzeit: ca. 14 h

  • Höhenmeter: 1.800

  • Übernachtungsmöglichkeit: Carrel Biwak auf 3.830 m

  • Ausrichtung: Süd, Südwest

  • Beste Aufstiegszeit: Juni bis August

Aussicht am Berg | © Sport 2000

Gerade in den Sommermonaten ist es einfach ein unbeschreibliches Erlebnis, sich in der Früh in Bewegung zu setzen und die Sonne aufgehen zu sehen. Man kommt als anderer Mensch zurück. Die wunderschöne Natur zu entdecken, ist für meinen Geist etwa so erholsam, wie eine Woche auf Urlaub zu fahren.

Wichtig ist eine Grundkondition und das Bewusstsein darüber, worauf man sich einlässt. Es kommt auch ganz stark auf den Bergtyp an, es gibt leichtere und kompliziertere Aufstiege. Zudem sind wichtig: Tourenplanung, das Wetter und die Begebenheiten am Weg – zum Beispiel einfacher Wanderweg vs. Gletscherspalten, die man nicht sieht.

Oft ist es die Höhe. Manche Bergsteiger haben schon ab 2.500 m Seehöhe Kopfweh, andere merken auch bei 3.000 m nichts. Die Dauer der Tour ist auch so eine Sache: Man wird müder, konzentriert sich vor allem am Nachmittag weniger und ist dadurch anfälliger für Unfälle. Wenn Touren zudem mit zwei Stunden angeschrieben sind, dann kann es schon mal vier Stunden dauern.

Das macht auch den Abstieg potenziell gefährlich. Denn der Gipfel ist erst der halbe Weg und einen langen Abstieg sind viele nicht gewohnt – auch wenn die Grundausdauer passt. Das geht auf Gelenke, Sehnen und Muskeln. Je fitter man ist, desto besser kann man sich beim Abstieg auf das Gelände und die Bewegung konzentrieren.

Auch alpinen Gefahren sollte man sich bewusst werden. Auf jeden Fall den Wetterbericht genau analysieren und die Route so planen, dass man vom Gipfel schnell weg und zum Beispiel in Hüttennähe kommen kann, wenn es gefährlicher wird.

Und dann sind da noch die Gletscherspalten.

Ich würde einen Aufstieg idealerweise mit einem lokalen Bergführer und einer Hüttenübernachtung planen. Der Guide kennt den Berg und die Gefahren durch das Wetter vor Ort und weiß, in welcher Situation was zu tun ist. Am ersten Tag geht es auf die Hütte. Das ist in vielen Fällen eine gute Idee, weil die meisten Hütten so circa 1.000 m unter dem Gipfel liegen, was sich für eine Teilung der Tour anbietet.

Am nächsten Tag dann ganz früh auf den Gipfel, damit man den Abstieg noch lange vor Einbruch der Dunkelheit beendet hat.

Im extremen Bergsport sind Frauen tatsächlich in der Unterzahl. Es gab und gibt immer wieder Frauen, die mit besonderen Leistungen aufgefallen sind, zum Beispiel Wanda Rutkiewics, Lynn Hill oder auch Gerlinde Kaltenbrunner aus österreichischer Sicht. Frauen Punkten beim Klettern beispielsweise oft mit einer besseren Technik als Männer, die eher kraftvoll Klettern. Generell denke ich, dass der Anteil an Frauen, welche Bergsport betreiben, sehr stark zugenommen hat. Auf Wanderungen und in Kletterhallen ist das Verhältnis zwischen Mann und Frau oft schon ziemlich ausgeglichen. Frauen sind meiner Meinung nach eher die Genießer und suchen weniger das extreme Risiko, was eine Erklärung für das Ungleichgewicht sein könnte.

Ein Tipp für die Packliste ist, sich alles zu Hause am Boden aufzulegen und bei jedem Teil zu überlegen, ob man es wirklich mitnehmen muss. Erfahrungsgemäß braucht man weniger, als man glaubt. Zum Beispiel kann auf der Hütte für den zweiten Tag die Trinkflasche aufgefüllt werden. Wer hier gut überlegt, kann sich einiges an Gewicht sparen.

Die Großwetterlage checke ich über mehrere Wetter-Apps wie Windy, für detaillierte Planung und Ansichten nutze ich das Angebot der Alpenvereine sowie der ZAMG.

zu Zweit Klettern | © Sport 2000

Die Ausrüstung


Anders als zu Zeiten Lucy Walkers steht Bergsteiger heutzutage ein breites Spektrum an Textilien und Ausrüstungsgegenständen zur Verfügung. Die aktuelle Mountaineering-Kollektion von Mammut deckt dabei alles ab. „Wichtig ist, dass man mit mehreren Gewand-Schichten arbeitet, immer eine wind- und wasserdichte Jacke dabei hat und Funktionskleidung benutzt, um den Schweiß aufzusaugen. Steigeisen und Pickel sind praktische Extras, wenn es die Tour verlangt”, so Matthias. Ein Beispiel-Setup für eine 3.000er Tour:

Nordwand Light HS Hooded Jacket | © Ansichtsache AG

Jacke: Nordwand Light HS Hooded Jacket

(UVP: € 330,– )

Moench Light T-Shirt | © Ansichtsache AG

Shirt: Moench Light T-Shirt

(UVP: € 75,–)

Eiswand Guide ML Jacket | © Ansichtsache AG

Midlayer: Eiswand Guide ML Jacket

(UVP: € 230,–)

Kento Guide High GTX Wanderschuh | © Mammut

Schuh: Kento Guide High GTX (steigeisentauglich)

(UVP: € 250,–)

Crag Sender MIPS Kletterhelm Mammut | © Ansichtsache AG

Helm: Crag Sender MIPS

(UVP: € 160,–)

Klettergurt Ophir 3 Slide | © Ansichtsache AG

Klettergurt: Ophir 3 Slide

(UVP: € 70,–)

Wanderhose Courmayeur SO Pants | © Ansichtsache AG

Hose: Courmayeur SO Pants

(UVP: € 200,–)

Rucksack Trion 38 | © Ansichtsache AG

Rucksack: Trion 38

(UVP: € 160,–)

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