KLETTER
STEIGE

Übersicht

Diesen Herbst zieht die spannende Welt der Felsen noch mehr Menschen in ihren Bann als im Jahr zuvor. Senkrecht in der Wand hängend nach unten zu blicken – diese Mischung aus Adrenalinkick und atemberaubendem Naturszenario ist nicht zu toppen! Bevor du dich allerdings auf das Abenteurer Klettersteig einlässt, ist so einiges zu beachten. Wir verraten dir alles, was du wissen musst!
 

Die Basics

Die Annäherung erfolgt meist noch relativ „gemütlich“ auf gesicherten Wegen – bis du dann am Einstieg zu einer der drei Arten von Klettersteigen stehst:

Versicherte Steige: Dabei handelt es sich um einfache Wanderwege, die stellenweise gesicherte Passagen aufweisen. Meistens sind das kleinere Gipfelanstiege, wo Trittsicherheit und Schwindelfreiheit schon von Vorteil sind. Kletterausrüstung ist bei solchen Klettersteigen nicht zwingend notwendig, sollte aber je nach Wetterbedingungen und/oder Klettersteigerfahrung unbedingt in Betracht gezogen werden.

Klassische Klettersteige: Diese existieren in sämtlichen Schwierigkeitsgraden, die wir dir etwas weiter unten aufgelistet haben. Sie sind für Anfänger wie auch für fortgeschrittene Kletterbegeisterte geeignet. Im Gegensatz zu versicherten Klettersteigen gibt es je nach Schwierigkeitsgrad ein durchgängiges Stahlseil, Eisentritte, Leitern, Zwischensicherungen oder Seilbrücken.

Sportklettersteige: Hier ist eindeutig Muskelkraft gefragt, weil du sonst schnell an deine Grenzen kommst. Neben Muskelkraft braucht es auch die richtige Technik. Meist befinden sich Sportklettersteige nämlich in ausgesetztem Gelände und verlaufen oft sogar durch Überhänge. Natürlich gibt es auch hier wieder verschiedene Schwierigkeitsgrade. Bist du ungeübt im Klettern, dann besser Finger weg von Steigen dieser Art.
 

Schwierigkeitsgrade

Die Schwierigkeit eines Klettersteigs wird in Österreich über die Schall Skala eingestuft, die den Schwierigkeitsgrad eines Klettersteigs nach dem Alphabet von A bis G definiert. Auch die Schweizer Skala, die von 1 bis 8 reicht, ist sehr beliebt bei der Beschreibung von Klettersteigen. Hier ein Überblick:

Schweizer Skala: 1

Beschreibung:
Einfache & gesicherte Steige, wenig steiles Gelände, mit Geländern, Klammern und angelehnten oder kurzen senkrechten Leitern; einzelne ausgesetzte, jedoch leicht begehbare Stellen; für trittsichere, schwindelfreie Begeher auch ohne Sicherungen meist einfach zu begehen; für Jugendliche und Anfänger sehr gut geeignet.

Schweizer Skala: 2

Beschreibung:
Längere, steilere Steige, einzelne kleintrittige, ausgesetzte Passagen; Klammern, Trittstifte, Ketten und längere senkrechte Leitern, manchmal kraftraubend; auch routinierte Begeher sollten trotz mäßiger technischer Schwierigkeit wegen erhöhter Absturzgefahr eine Selbst-sicherung verwenden; für Jugendliche und Anfänger gut geeignet.

Schweizer Skala: 3 - 4

Beschreibung:
Immer wieder (sehr) steiler Fels, lange ausgesetzte Passagen; Eisenklammern und Trittstifte können weit auseinander liegen, manchmal auch nur mit Drahtseil; senkrechte bis gelegentlich überhängende Leitern, evtl. Seil- oder Hängebrücken; bereits sehr kraftraubend; längere Routen in diesem Grad sind schon große Unternehmungen.

Schweizer Skala: 5

Beschreibung:
Senkrechter bis überhängender Fels, weit auseinander liegende Klammern und Trittstifte, häufig auch nur mit Drahtseil; gute Steigtechnik auf kleinen Tritten und Reibungsplatten, starke Psyche, Kraftausdauer und guter Trainingszustand nötig, Klettererfahrung hilfreich, für Jugendliche und Anfänger nicht geeignet.

Schweizer Skala: 6

Beschreibung:
Häufig überhängendes Gelände mit wenig oder keinen Steighilfen; extreme Anforderungen an Kraft, Bewegungstechnik und Psyche; nur für besonders erfahrene Klettersteig-Experten. Dieser Schwierigkeitsgrad kommt bei modernen Klettersteigen zunehmend häufig vor, zeigt aber so manchem Begeher seine Grenzen auf!

Schweizer Skala: 7

Beschreibung:
Mehr als extrem schwierig, da sehr anstrengend und äußerst kräfteraubend und gute Klettertechnik unabdingbar ist; primär überhängend, primär ausgesetzt, sehr kleine Tritte oder Reibungskletterei; sehr gutes Kletterkönnen obligatorisch; nur für Personen geeignet, die Schwierigkeit E einfach beherrschen. (Derzeit gibt es im Alpenraum nur zwei Klettersteige der Kategorie F)

Schweizer Skala: 8

Beschreibung:
Höchste Schwierigkeit, oft vertikal, auf langen Passagen überhängend; mit großen Athletikanforderungen, Sportkletterkönnen obligatorisch, Grad E muss sicher beherrscht sein. (Bisher gibt es nur einen Klettersteig der Kategorie G)

Bild: bergsteigen.com

Safety first

Wie in jedem Sport ist Sicherheit das A und O! Die Grundregel, die du beim Klettern dringend beachten solltest sind: Zu jedem Zeitpunkt gesichert sein! (Auch wenn du dir zu 100 % sicher bist)

Beim Klettern empfiehlt es sich deshalb auch immer, eine solide Grundausbildung zu absolvieren. In einem beispielsweise zwei- oder dreitägigen Kletterkurs mit einem staatlich geprüften Bergführer lernst du, wie du dich richtig am Klettersteig verhältst. Hast du erstmal einen Kurs abgelegt und bist bereit für dein erstes Abenteuer am Fels, dann geht es ans Eingemachte. Ganz zu Beginn: Das Anseilen! Schon am Klettersteig-Einstieg suchst du dir an einer sicheren Stelle ohne Absturzgefahr einen Platz, der genügend Raum bietet und vor Steinschlag schützt. Deinen Helm hast du natürlich schon vorher aufgesetzt. Gleich nach dem Anseilen solltest du deinen Partner kontrollieren. Ein Doublecheck schadet hier nie, denn vier Augen sehen mehr als zwei! Stelle dir dabei folgende 4 Fragen:

  • Ist der Klettergurt richtig angelegt und sind alle Schlaufen wirklich geschlossen?
  • Ist das Klettersteigset richtig angelegt?
  • Ist der Helm deines Partners richtig angelegt und verschlossen und sitzt optimal?
  • Hast du oder dein Partner ein Erste-Hilfe-Set im Rucksack?

     

Optimale Ausrüstung für maximalen Klettergenuss

Für den Bergsport gibt es in Europa bei Ausrüstung und Bekleidung eine Norm, die sicherstellt, dass Produkte gewisse Sicherheitsstandards erfüllen und über eine notifizierte Prüfstelle geprüft wurden. Für Klettergurte ist dies die Norm EN 12277 CE. Weiters gibt es auch noch die UIAA-Normen des internationalen Alpenvereinsverbandes; Dieser arbeitet welcher stark mit der EU für die Harmonisierung von Normen zusammen, weshalb die UIAA Norm auch stark an der EU Norm angelehnt ist.

Das brauchst du für dein Abenteuer Klettersteig:

    • Klettergurt (verschiedene Typen erhältlich, zu empfehlen ist ein Kombigurt bzw. Vollgurt)
    • Klettersteigset (hier ist immer ein Dämpfelement eingebaut, das den Fallenden abbremst) – nach EN 12275 dürfen Klettersteigsets mittlerweile nur automatisch verriegelnde Klettersteig-Karabiner verwenden!
    • Helm (auf EN 12492 achten, nur diese bieten wirklich Schutz)
    • Kletterrucksack
    • Klettersteighandschuhe

Empfehlenswerte Ausrüstungsgegenstände:

    • Erste-Hilfe-Set
    • Trinkflasche & Essen (Müsliriegel eignen sich super)
    • Sonnenbrille & Sonnencreme, Kompass, Taschenmesser
    • Ruhe-Schlinge (aus vernähter Bandschlinge und Verschlusskarabiner) zur Kraftersparnis
    • Topo ausdrucken (Karte des von euch gewählten Steiges mit wichtigen Informationen, hier werden die verschiedenen Abschnitte genau erklärt)
    • Handy mit vollem Akku und gespeicherten Notrufnummern (Bergrettung/Alpin Notruf: 140 oder 112)

Bekleidung:

    • Zwiebelprinzip (Kletterhose, Funktionsshirt, Fleeceweste)
    • wasserabweisende Jacke bzw. Regenschutz
    • halbhohe Trekkingstiefel oder steigeisenfeste Bergstiefel
       
Bild: bergsteigen.com



4 Klettersteige für Anfänger

Und wenn du jetzt auch am liebsten sofort den nächsten Klettersteig in Angriff nehmen willst, dann haben wir hier vier anfängertaugliche Steige für dich, bei denen du richtig auf den Geschmack kommen kannst.
 

Geierwally-Klettersteig – Innsbruck, Tirol
Schwierigkeit: A/B oder in Variation auch B/C
Absicherung: sehr gut
Beste Jahreszeit: Juni – Oktober
Dieser Steig ist als kurzer Übungssteig sehr gut für Einsteiger geeignet. Mit zwei Varianten, die beide zu einem kleinen Gipfelkreuz führen, bedient er auch verschiedene Schwierigkeitsgrade. Unser Tipp: Dieser Steig ist perfekt, wenn du deine Fähigkeiten austesten willst.
 

Silvrettasee-Staumauer-Klettersteig – Vorarlberg
Schwierigkeit: B (leicht)
Absicherung: sehr gut
Beste Jahreszeit: Juli – Oktober
Ein echtes Highlight, denn dieser Steig verläuft an der nicht ganz senkrechten Staumauer und quert diese von links nach rechts.
 

ÖTK-Klettersteig Koschutnikturm – Rosental, Kärnten
Schwierigkeit: B/C oder auch nur B
Absicherung: sehr gut
Beste Jahreszeit: Juni – September
Auch bei diesem Steig gibt es zwei Varianten, weshalb Einsteiger und Anfänger hier bestimmt richtig liegen.
 

Outlaw-Klettersteig – Dachsteingebirge, Oberösterreich
Schwierigkeit: C
Absicherung: gut
Beste Jahreszeit: Juni – Oktober
Ein kurzer, aber lohnender Klettersteig, der schnell von der Bergstation aus zu erreichen ist und gut mit dem Kuckucksnest-Klettersteig kombiniert werden kann.