Skiberater

Welche Skiform passt zu Ihrem Skityp?

Skilänge

Wie verhält sich die Skilänge in Verbindung mit den unterschiedlichen Schneearten? Bei hartem Untergrund ist es wesentlich schwerer, mit langen Brettern die Kurve zu kratzen. Wedelt man durch weichen Tiefschnee, sieht das schon wieder ganz anders aus. Hier verteilt sich der Druck aufgrund der größeren Länge auf mehr Fläche. Plötzlich lässt sich der gleiche Ski wegen des daraus resultierenden höheren Auftriebs viel leichter drehen. Ein langer Ski übernimmt mehr Führung und kann dadurch bei höherer Geschwindigkeit kraftschonender gefahren werden.

Skibreite

Wie die Länge hat auch die Breite in Sachen Auftrieb großen Einfluss. Mathematiker würden ihn als linear bezeichnen. Denn er steigt mit der Fläche, die sich wiederum aus der Multiplikation eben dieser Breite mit der Länge ergibt. Am gefragtesten ist der Auftrieb übrigens im Bereich der Bindung. Logisch, weil genau hier das Gewicht des Fahrers unmittelbar auf dem Ski lastet. Daraus ergibt sich: Ein breiter Ski macht sich im Tiefschnee besser, auf harter Unterlage schlechter. Und zwar deshalb, weil er für den gleichen Aufkantwinkel auf der Piste weiter gehoben werden muss als schmalere Kollegen. Letztere verhalten sich da einfach spritziger. Da fragt man sich doch unwillkürlich, wie man im Tiefschnee früher unterwegs war. Die Antwort: Beine zusammen und aus beiden schmalen Skiern quasi einen breiten Monoski gemacht.

Sidecut oder Taillierung

Die Vor- und Nachteile breiter und schmaler Skier werden kurzerhand kombiniert. Deshalb stehen seit vielen Jahren Skier in den Shops, die sich vorne und hinten breit und in der Mitte schmal präsentieren. Tailliert also, wie es für die Carver typisch ist. Stellt man sie auf die Kante, sorgt allein schon das Gewicht des Fahrers und die Fliehkraft dafür, dass der Ski quasi von selbst die Kurve schneidet. Deshalb auch „Carving“, was so viel wie geschnittene Schwünge bedeutet. Bei wenig Taillierung oder Sidecut, sprich wenig Unterschied zwischen den breiten Enden und der schmäleren Mitte, ergibt sich ein größerer Kurvenradius. Er wird übrigens immer kleiner, je mehr der Ski aufgekantet wird. Man kann die Taillierung auch so gestalten, dass sie vor der Bindung einen kleineren Radius (degressiven Sidecut) aufweist als hinten. Und natürlich umgekehrt (progressiver Sidecut). Verlagert man nun das Gewicht zum kleineren Radius, lassen sich die gefahrenen Kurvenradien verengen. Doch auch die Biegung des Skis – also der Flex - wirkt auf das Kurvenverhalten des Skis.

Flex und Torsion

Der Flex bezeichnet die Biegesteifigkeit um die Querachse. Je weicher der Ski, desto leichter lässt er sich kurvenförmig krümmen und desto bereitwilliger gehorcht er dem Willen seines Herrn. Dafür beginnt er bei hohen Geschwindigkeiten früher zu flattern. Es sei denn Dämpfungselemente und eine gewichtsreduzierte Schaufel gleichen das im Rahmen des technisch Machbaren aus. Deshalb machen sowohl eine niedrigere Schaufel als auch der Lochski absolut Sinn. Wenn auch nur auf glatten Pisten. Sinn macht es natürlich auch, sich ein wenig mit der Torsionsteifigkeit auseinanderzusetzen, womit der Verdrehwiderstand um die Längsachse gemeint ist. In hohen Dosen verhindert sie beim Aufkanten das Zurückdrehen der Ski-Enden in die Waagrechte. Klingt jetzt ein wenig theoretisch, hat aber den Vorteil, dass sich ein exaktes Fahrgefühl einstellt. Umgekehrt zeigen sich Skier mit geringem Verdrehwiderstand wesentlich gnädiger gegenüber Fahrfehlern. Und jetzt noch zu Camber und Rocker.

Rocker und Camber

Kurze Englisch-Stunde: Camber heißt Wölbung. Noch exakter würde allerdings der Begriff „Vorspannung“ beschreiben, worum es hier geht. Verfügt der Ski nämlich über ebendiese, liegt er in unbelastetem Zustand nur hinter der Schaufel und am Ende auf. Was bedeutet, dass an den maßgeblichen Punkten, an denen die Kanten zuerst greifen, mehr Druck herrscht. Ein Vorteil auf harten Pisten. Ein Nachteil im Tiefschnee, wo sich Skier besser mit Revers Chamber nach unten wölben. Womit wir bei Teil zwei der Englisch-Stunde wären und beim Wort Rocker. Tatsächlich sind Rocker nicht immer wilde Hunde, wenngleich der eine oder andere wilde Hund auf Skiern mit Rocker unterwegs ist. Nein, Rocker steht im Englischen auch für die gebogenen Kufen eines Schaukelstuhls oder einer Wiege. Ein stimmiger Hinweis darauf, dass Rocker am Ski durchaus Auswirkungen auf den Komfort haben. Bei Skiern mit Rocker wird der Ski vor und eventuell auch hinter der Camber in einem flachen Winkel hochgezogen, um dann erst in die Rundung der Schaufel überzugehen. So kann der Ski für tiefen Schnee in ausreichender Länge für genügend Auftrieb gebaut werden. Gleichzeitig dreht er auf hartem Untergrund fast wie ein kurzer. Nicht umsonst sagt man, dass der Skiindustrie mit dem Rocker eine Innovation gelungen ist, die für den Tourengeher und Freerider ähnlich wichtig ist wie die Einführung des Carving-Ski für Pistenfahrer.
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