Rechtliche Aspekte beim Klettern & Kletterregeln

Wer haftet, wenn beim Klettern etwas passiert?

Klettern in der Halle ist ein vergleichsweise sicherer Sport. Was aber geschieht, wenn doch etwas passiert?

Klettern ist in. Auch in der Halle, wo genauso wie im Freien vollste Konzentration und die Beherrschung der Sicherungsgeräte notwendig sind. Denn ein Unfall kann nicht nur medizinische Folgen haben, sondern auch rechtliche. Bis hin zu Bestrafungsanträgen wegen Körperverletzung. Denn nach jedem Unfall in der Kletterhalle kann je nach Schwere der Verletzung zusätzlich zur Rettung oft auch die Polizei hinzugezogen werden. Ein sachverständiger Beamter kommt, um das Unfallgeschehen zu rekonstruieren. Und um festzustellen, ob zum Beispiel ein Sicherungsfehler zum Unfall geführt hat.

Juristische Beratung empfohlen

Wenn ein Sicherungsfehler die Ursache war, dann empfiehlt es sich sowohl für den Verunfallten als auch den Sicherungspartner in Ruhe zu überlegen, was man aussagt. Denn wahrscheinlich sitzt der Schock nach dem Unfall tief. Auch eine juristische Beratung vor einer allfälligen Einvernahme kann durchaus sinnvoll sein und wird sogar vom Österreichischen Alpenverein empfohlen. Ob es dann zu einer Anzeige mit anschließendem Verfahren kommt und wie die Sache ausgeht, hängt natürlich von den Umständen ab. Hier ein Beispiel:

Ein Fall für Zwei

Ein Kläger besuchte mit der Beklagten eine Kletterhalle. Letztere behauptete, selbst eine gute Kletterin zu sein, also imstande, den unerfahrenen Kläger mitzunehmen. Trotz Partnercheck realisierte keiner der Beteiligten, dass die Karabiner falsch eingehängt waren, weshalb sich der Kläger bei einem Absturz verletzte. Fragt sich jetzt natürlich: Wer ist schuld? Der Oberste Gerichtshof ging in seinem Urteil in dieser Sache von einem Verschulden im Verhältnis 3:1 zu Ungunsten der Beklagten aus. Diese habe nämlich dem Kläger aufgrund ihrer Klettererfahrung quasi die Türen zur Kletterhalle aufgemacht und freiwillig die Sorgfaltspflicht übernommen. Bei dieser Sachlage ging das Gericht davon aus, dass das Verschulden der Beklagten dasjenige des Klägers deutlich überwiegt. Was lernen wir daraus?

Führung aus Gefälligkeit

Das Urteil unterstreicht die bereits bekannte Haftung des sogenannten „Führers aus Gefälligkeit“, bei dem folgende Faktoren zum Tragen kommen: willentliche Übernahme der Führung, Überredung zu einer Tour, Verharmlosung und Verheimlichen von Schwierigkeiten und Gefahren, Nichtzurverfügungstellung versprochener Ausrüstung, Erwecken von gerechtfertigtem Vertrauen und Unterlassen von notwendiger Aufklärung. Allerdings ist man nicht automatisch Führer aus Gefälligkeit, nur weil man mehr Erfahrung hat bzw. eine Ausbildung gemacht hat. Hier stellt der OGH dezidiert fest: „Bei Bedachtnahme auf die beim Bergsteigen notwendige Eigenverantwortlichkeit kann bei einem Zusammenschluss mehrerer Personen zu einer Bergtour nie der Geübtere oder Erfahrenere allein deshalb verantwortlich gemacht werden, weil er die Führung übernommen, das Unternehmen geplant oder die Route ausfindig gemacht hat; gleiches gilt auch für jene Person, die innerhalb einer Gruppe eine deutlich erkennbare Initiative zum Betreten von gefährlichem Gelände entwickelt“.

Kletterregeln statt Haftungsfragen

Jede Kletterhalle hat ihre eigenen Geschäftsbedingungen. Darin sind auch Verhaltensrichtlinien und Haftungsregeln festgehalten. So etwa ist hier meist vermerkt, dass jeder Besucher per Unterschrift auf dem Anmeldeformular die Hallenordnung akzeptiert. Und weiter steht dort meist, dass für Unfälle und sonstige Schäden während aller Veranstaltungen sowie auf Wegen zu und von den Kletterveranstal-tungen die Haftung nur im Rahmen der gesetzlichen Haftpflicht übernommen wird. Viel besser als sich mit Haftungsfragen beschäftigen zu müssen, ist natürlich die Unfallvorbeugung, die durch das Einhalten von Kletterregeln in der Halle leichter fällt.

Zur Information hier die Kletterregeln des Alpenvereins:

  1. Klettern ist gefährlich und erfordert deshalb ein hohes Maß an Umsicht und Eigenverantwortlichkeit. Das Klettern und der Aufenthalt im Kletterbereich erfolgen auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder.
  2. Kinder unter 16 Jahren dürfen nur in Begleitung der Eltern oder mit einem Befähigungsnachweis (z.B. Kletterschein) klettern.
  3. Das Klettern im Vorstieg ist immer mit erheblichen Sturzrisiken und Verletzungsgefahren verbunden. Im eigenen Interesse ist deshalb eine anerkannte Sicherungstechnik zu verwenden. Jeder Kletterer ist für die von ihm gewählte Sicherungstechnik und Sicherungstaktik selbst verantwortlich.
  4. Schnelles Herunterlassen des Partners ist untersagt.
  5. Nicht übereinander klettern.
  6. Klettern nur mit Kletterschuhen (barfuß oder mit Straßenschuhen verboten).
  7. Künstliche Klettergriffe können sich jederzeit unvorhersehbar lockern oder brechen und dadurch den Kletternden und andere Personen gefährden oder verletzen. Der Betreuer schließt jede Haftung für die Fes-tigkeit der angebrachten Griffe aus. Darüber hinaus ist stets mit herabfallendem Klettermaterial zu rechnen.
  8. Beim seilfreien Klettern darf die Höhe des ersten Hakens nicht übergriffen werden. Höheres Klettern darf nur mit Seilsicherung erfolgen.
  9. Die verwendeten Seile müssen beim Klettern an der Süd-, West- und Nordwand mindestens 50 m, auf dem Balkon 30 m lang sein.
  10. Im Vorstieg sind alle vorhandenen Zwischensicherungen vor dem Überklettern einzuhängen.
  11. Beim Nachsteigen entweder einen verschlossenen Schraubkarabiner an der Umlenkung verwenden oder alternativ mindestens zwei Schlingen gegenläufig eingehängt lassen. Immer alle Zwischensicherungen für den Nachsteiger eingehängt lassen. Es darf ausschließlich über die dafür vorgesehenen und geprüften Umlenkpunkte am Ende der Route (2 Sicherungen mit Kette verbunden) umgelenkt werden.
  12. Nie mehrere Seile in einen Sicherungspunkt einhängen Durchschmorgefahr!!!
  13. Topropeklettern ist in den überhängenden Bereichen verboten.
  14. Lose Griffe oder andere Mängel bitte unverzüglich dem Hallenpersonal melden, damit schnellstmög-lich Abhilfe geschaffen werden kann.
  15. Den Anweisungen des Hallenpersonals ist folge zu leisten. Bei Widersetzen ist das Hallenpersonal berechtigt, den oder die Kletterer aus der Kletterhalle zu verweisen.
  16. In der Kletterhalle ist das Rauchen verboten.
  17. Das Hallenpersonal hilft Ihnen bei Fragen gerne weiter.
  18. Beachten Sie bitte darüber hinaus die Benutzerordnung der Kletterhalle.
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