Radfahren hat immer Saison

Tipps zur richtigen Bikebekleidung im Winter

Bikejacken für den Winter sind wahre Meisterwerke der Textilkunst, müssen sie doch vielen Anforderungen auf höchstem Level entsprechen. Ihre Jobs sind erstens das kontrollierte Abgeben von Schweiß von innen nach außen. Zweitens der Schutz vor Nässe, die von außen kommt. Und drittens das Abschirmen von Kälte und Wind. Dazu setzen die Bekleidungshersteller auf unterschiedliche Konzepte aus zwei- oder dreilagigen Stoffen. Mit flexiblen Stoffen lassen sich besonders gute Passformen erreichen, was gerade im Radsport besonders wichtig ist.

Schutz vor Nässe

Weil Wasser ein guter Wärmeleiter ist, wirkt eine durchnässte Radjacke quasi als Kältebeschleuniger. Deshalb empfehlen sich hochwertige Modelle mit wasserdichten Membranen, die gleichzeitig atmungsaktiv sind. Wobei der Stoff einer Wassersäule von zumindest 10.000 mm standhalten sollte sowie mit einem guten RET-Wert und einer brauchbaren MVTR-Rate überzeugen muss. Im Rennradbereich haben sich hier leichte zweilagige Konstruktionen bzw. Light-weight-Jacken durchgesetzt, während Modelle fürs Mountainbiken durchaus von 3-lagiger Robustheit sein dürfen.

Schutz vor Wind

Der Schutz vor Wind ist aus zwei Gründen extrem wichtig: erstens, weil er beim Fahrradfahren niemals ausbleibt. Und zweitens, weil der Windchill-Effekt dafür sorgt, dass die gefühlte Temperatur von der tatsächlichen erheblich abweicht. Da können sich +2 °C allzu schnell wie minus 11 °C anfühlen. Die Winddichtheit wird anhand des Winddurchgangswiderstandes als CFM-Wert gemessen. 0 ist absolut winddicht, 20 bedeutet kein Windschutz. Dieser Herausforderung wird einerseits durch sehr dicht gewebte Stoffe begegnet, andererseits mit Mikrofasern und Sandwichmaterialien mit Membranen, wobei letztere für absolute Dichtigheit sorgen. Mikrofasern lassen eine dosierte Ventilation zu. Bei gewebter Ware entscheidet, wie eng Kette und Schuss gewebt sind.

Schutz gegen Kälte

Gegen Kälte hilft nur Isolation. Das Problem: Sie ist der natürliche Feind der Atmungsaktivität. Da heißt es, die richtige Balance zu finden. Ein Biker, der mit dem Rad hardcoremäßig seine Trainingseinheiten abspult und schnell auf Temperatur kommt, braucht relativ wenig Isolation. Ein Mountainbiker, der auch mal bergabfahren muss, hingegen mehr. Auf alle Fälle aber greifen Tourenfahrer zu den kälteschutzmäßig idealen Jacken mit Drei-Lagen-System. Dort sorgt traditionellerweise das Fleece  (z.B. aus Merinowolle) als zweite Lage für die Isolierung. In diesem Bereich sind auch Softshells samt winddichter Membran ein Thema. Sie kombinieren zwei Lagen in einer Schicht, die gleichzeitig Wärme- und Windschutz bietet.

Zwiebelprinzip und weitere Tipps

Sonst empfiehlt es sich, nach dem Zwiebelschalenprinzip ein Funktionsunterhemd und ein Trikot unter der Jacke zu tragen. Die Extraschichten verbessern den Schweißtransport und spenden zusätzliche Wärme. Weitere spezielle, wintertypische Details der Jacken sind: länger geschnittener Rücken mit Gripper-Material am Bund, damit die Jacke nicht verrutscht. Dann ein Kragen, der vorne höher ausgeschnitten ist als hinten, damit keine kalte Luft in die Jacke strömen kann. Weiters ist ein körpernaher Schnitt sowie ein Kapuze von Vorteil, die mit einem Gummiband festgezurrt werden kann. Außerdem überraschen manche Jacken mit integrierten Pulswärmern, die eng am Handgelenk sitzen und bis zu den Handflächen gehen. Nicht zu vergessen in der düsteren Jahreszeit: die Reflektoren!
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