Kletterverletzungen

Wie sie heilen und wie man sich vorbeugt

Das klingt jetzt ein wenig paradox: Je höher das Leistungsniveau beim Klettern, desto geringer wird die allgemeine Verletzungsgefahr durch Stürze. Gleichzeitig steigt aber die Wahrscheinlichkeit von Fingerverletzungen. Und zwar deshalb, weil die Belastungen zunehmen und der Kletterer sich an kleinsten Leisten oder Fingerlöchern festhält. In der Hitparade der Verletzungen an Händen und Fingern belegen Ringbandverletzung eindeutig Platz eins. Die Gründe dafür liegen im biomechanischen Aufbau der Hand.

Riss und Krach

Für die Beugung unserer Finger sind die Beugesehnen zuständig. Die wiederum sind durch das Ringbandsystem an die Fingerglieder und Gelenke fixiert. Dieses ziemlich komplexe System ermöglicht die maximale Beugung der Finger von der geöffneten Hand bis zum kompletten Faustschluss mit der entsprechenden Kraftübertragung. Wenn Sportkletterer ihren Griff fixieren, wenden sie häufig die aufgestellte Fingerposition an. Dabei kommt es zu einer Maximalbelastung des Ringbandapparates und in der Folge zu möglichen Verletzungen. Das Belastungsmaximum beträgt im übrigen ca. 400 Newton, was etwa 40 Kilogramm entspricht. Dann reißt das Band mit einem ziemlich lauten Krach, bevorzugter Weise im Ringfinger. Auf Platz zwei folgt der Mittelfinger. Beide müssen nämlich durch die Griffposition am meisten Last tragen.

Heilung in 3 Monaten

Nach dem Riss schwillt der Finger stark an, meist in Begleitung eines Blutergusses. Das vermindert natürlich die Kraftentfaltung und löst eine massive Bewegungseinschränkung aus. Irgendwie logisch auch, dass eine exakte Untersuchung angesagt ist, um negative Folgen der Verletzung zu verhindern. Am besten mit Magnetresonanz oder Ultraschall. Anschließend bekommt der verletzte Finger Ruhe verordnet, was mit einer Schiene oder einem Kunststoffring wesentlich leichter fällt. Im Laufe der nächsten maximal 3 Monate bildet sich im Bereich des gerissenen Ringbandes ein Narbengewebe, das den Job des Ringbandes übernimmt. Dann kann der Kletterer sein Training wieder aufnehmen, eine Operation ist meist überflüssig. Aber natürlich gibt es über den Riss des Ringbandes hinaus noch weitere klassische Kletterverletzungen im Bereich der Hand bzw. Finger.

Ermüdungsfrakturen

Da hätten wir zum Beispiel Kapselbandverletzungen, Zerrungen oder Seitenbandteilrisse des Mittelgelenkes. Nicht selten tragen sich Ermüdungsfrakturen an der Wachstumsfuge zu. Letzteres natürlich nur bei Jugendlichen, wenn sie gerade mit dem intensiven Leistungsaufbau beschäftigt sind. Ansonsten gibt es da noch offene, verschmutzte Wunden an den Fingern und Händen, die keinesfalls mit Tapes verschlossen werden sollen, weil sonst die Wahrscheinlichkeit von Entzündungen steigt. Und weil sich diese in Richtung Handgelenk und Ellbogen ausbreiten können.

Achten Sie also unbedingt auf Schmerzen in Händen und Fingern und klären Sie diese im Zweifel rechtzeitig beim Arzt ab!
nach oben