Klettersteig

Basisinfos zu Ausrüstung und Sicherheit

Mit der richtigen Ausrüstung auf die „Via ferrata“

„Via ferrata“ oder Eisenweg werden die mit Stahlseilen gesicherten Klettersteige auch noch genannt. Am Klettersteig ist atmungsaktives Material ist ein Vorteil, hohe Qualität und Abriebfestigkeit des Materials ein Muss. Die offizielle UIAA Ausrüstungsempfehlung sieht zusätzlich zur passenden Bekleidung, den Schuhen und dem Witterungsschutz für alpines Gelände, die Verwendung eines Hüft- und Brustgurtes, einen Bergsteigerhelm und ein Klettersteigset vor. Schuhe, Helm, Gurt und Seil müssen topp sein, damit man am Klettersteig sicher unterwegs ist und einmal mehr gilt es, auf Material und Sicherheit zu achten.

Klettersteigset

Beginnen wir beim wichtigsten Utensil: dem Klettersteigset.Klettersteigsets sind im Notfall der lebensrettende Link zwischen Klettergurt und Stahlseil auf Klettersteigrouten und im Hochseilgarten.

Im Wesentlichen besteht es aus einem Seil mit zwei Karabinern, die am Drahtseil entlang geführt werden, und einer Bremsplatte. Bei einem Sturz wird das Seil durch die Bremsplatte – dem Herzstück des Ganzen – gezogen und somit der Fangstoß auf ein erträgliches Maß reduziert. Idealerweise ist ein Klettersteigset genäht und nicht verknotet, da Knoten sich mit der Zeit lösen. Zur sicheren Befestigung am Gurt dient eine eingenähte Bandschlinge. Bei der Auswahl ist darauf zu achten, dass man gut mit dem Verschlussmechanismus der Karabiner klar kommt.

Klettersteigsets sind wie Versicherungen. Einerseits sollte man sie unbedingt haben. Andererseits hofft jeder, sie niemals wirklich in Anspruch nehmen zu müssen. Denn es ist wahrlich kein Vergnügen, sich bei einem Sturz von einem Klettersteigset quasi auffangen zu lassen. Seine Aufgabe liegt nämlich darin, „nur“ das Schlimmste zu verhindert, nicht aber mögliche Verletzungen. Die passieren beim gebremsten, aber immer noch sehr unangenehmen Sturz, ganz schnell. Unangenehm ist so ein Fall vor allem deshalb, weil das Set den Bergsteiger dabei nahe an der Wand hält. Sprich rasante Rutschphase vorbei an Felsnasen, Stiften, Drähten usw. bis der Fangstoßdämpfer dem Rutschen ein Ende macht. Vor Verletzungen schützt man sich nur dann relativ sicher, wenn man nur solche Klettersteige in Angriff nimmt, die man mit seinen klettertechnischen Fähigkeiten bewältigen kann.

Bandfalldämpfer statt Reibungsbremse

Mit dem gerade erwähnten Fangstoßdämpfer haben wir auch schon eines der beiden Herzstücke angesprochen, aus denen ein Klettersteigset besteht. Stück Nummer zwei sind die Lastarme, die mit Karabinern in das Stahlseil des Klettersteiges eingehängt werden. Die Aufgabe des Fangstoßdämpfers ist es, den Fall zu bremsen. Wobei diesen Job in modernen Sets ein Bandfalldämpfer übernimmt. Die Alternative sind Reibungsbremsen. Bei diesen besteht allerdings die Gefahr, dass das Bremsseil durch fortgeschrittenes Altern an Flexibilität einbüßt. Dadurch kann der Fangstoß für einen Menschen zu heftig werden oder das Material sogar reißen. Wie der Name schon sagt, besteht der Bandfalldämpfer aus vernähtem Bandmaterial. Beim Sturz reißt es auf und verlängert so den Bremsweg und dämpft den Fall. Die Aufreißlänge markiert den Bremsweg, der nach aktueller Norm 120 Zentimeter beträgt. Tatsächlich bedeutet das dennoch eine extreme und deshalb unangenehme Verzögerung. Es fühlt sich an, als würde man im Moment des Stopps bis zu 600 Kilogramm wiegen. Mehr darf nicht sein. Zum einen wegen der Bruchwerte von Klettersteigkarabinern bei Biegebelastung. Zum anderen aufgrund der ansonsten zu hohen Verzögerung, die der menschliche Körper nicht mehr verletzungsfrei überstehen würde.

Nach jedem Fall austauschen

Ganz wichtig: Bandfalldämpfer sind wie das ganze Klettersteigset sogenannte Einmalsysteme und müssen nach jedem Sturz unbedingt ausgetauscht werden. Was macht man aber, wenn der Sturz gar kein richtiger Sturz gewesen ist, sondern nur ein mehr oder weniger kleiner Ausrutscher? Natürlich kann man danach nicht so tun, als wäre nichts passiert. Im Interesse der eigenen Sicherheit empfiehlt es sich auf alle Fälle, das Bremsband zu kontrollieren. Zu diesem Zweck öffnet man einfach das Falldämpfer-Täschchen und schaut nach. Es gibt verschiedene aussagekräftige Indikatoren, welche die Kontrolle erleichtern. Zum Beispiel verschiedene Farben von Naht und Band. Oder zwei rote Markierungen, die aus dem Täschchen gezogen werden, wenn eine Beschädigung eintritt. Doch nun zum bereits erwähnten Herzstück Nummer zwei eines Klettersteigsets: die Lastarme.

Lastarme mit Schlauchband

Lastarme haben es nicht leicht. Denn ihre Daseinsberechtigung besteht darin, zwei ziemlich konträre Eigenschaften aufzuweisen: einerseits möglichst lang zu sein, zwecks notwendiger Bewegungsfreiheit. Andererseits möglichst kurz zu sein, damit sie beim Klettern nicht im Weg sind. Diese auf den ersten Blick schier unlösbare Diskrepanz löst das sogenannte Schlauchband zur Zufriedenheit aller auf. Im Schlauchband befindet sich nämlich ein Gummi, der das Band verkürzt. Wie lang nun so ein Lastband idealerweise sein soll, hängt ein bisschen von der Länge der Arme ab . Dabei gilt: Je länger die Arme, desto länger kann das Lastband sein. Wobei man gleich dazusagen muss, dass eine eigenmächtige Verkürzung des Bandes – zum Beispiel durch Verknoten - ein absolutes No-Go ist. Und zwar deshalb, weil sich danach das Material beim Sturz völlig anders verhält, womit Risiken und Nebenwirkungen eklatant ins Negative tendieren. Guter Tipp: Schon im Shop empfiehlt es sich zu checken, wie schwer oder leicht sich der Gummi in den Schlauchbändern ausdehnen lässt. Darüber hinaus sollte man sich beraten lassen, inwieweit eine Rastschlaufe  oder ein Drehgelenk Sinn macht. Erstere dient zum Einhängen, wenn Verschnaufen oder Fotografieren angesagt ist. Zweiteres verhindert das Verdrehen der Lastarme. Bleibt am Ende noch etwas Platz für einige Worte zu den Karabinern.

Der Haken an der Sache

Die Karabiner müssen zum einen klarerweise so robust sein, dass sie beim Sturz nicht brechen. Zum anderen sollten sie benutzerfreundlich zu bedienen sein. Schließlich müssen sie an jeder Einhängung des Stahlseils beim Umhängen geöffnet werden. Wenn sie dann im Stahlseil laufen, dürfen sie sich natürlich nicht aus Versehen öffnen. Diese Sicherheit bieten so gut wie alle aktuellen und hochwertigen Klettersteigkarabiner, die sich mit Handballendruck öffnen lassen, sonst aber zuverlässig geschlossen bleiben. Die Karabiner werden meist in die Lastarme  eingenäht, was im Vergleich zur Verknotung als sicherere Variante gilt.

Klettergurt

Das Klettersteigset muss natürlich irgendwo befestigt werden. Hier kommt der Klettergurt zum Einsatz. Das Klettersteigset wird am Klettergurt befestigt, der verstellbare Gurt liegt nahe am Körper an. Hüft- und/oder Brustgurt gehören zum Klettern am Klettersteig wie das Amen im Gebet – gesichert zu gehen ist auch im niedrigeren Schwierigkeitsbereich keine Schande. Da es keinen speziellen Kletter¬steiggurt gibt, werden Alpin- und Sportklettergurte verwendet. Bei Hüft- und Brustgurt ist zunächst wichtig, dass sie flott und ohne große Anstrengung gehandhabt werden können. Beim Einsatz des Gurtes im Steilfels sollte man vor allem auf anatomische Formgebung und niedriges Gewicht achten, denn nur so ist optimale Bewegungsfreiheit garantiert. Wichtig ist auch, dass der Gurt auf unterschiedlich dicke Bekleidung einstellbar ist und man ihn auch mit Handschuhen einfach bedienen kann.

Kletterhelm

Ein Kletterhelm schützt das wichtigste Körperteil, den Kopf vor möglichen Steinschlägen, die insbesonders durch vorangehende Klettersteiggeher ausgelöst werden können. Als fixer Bestandteil der Klettersteigausrüstung muss der Helm so gebaut sein, dass er das Gesichtsfeld frei lässt und den Kletterer zwar schützt, aber nicht stört. Beim Material ist neben der Leichtigkeit und Langlebigkeit im Zusammenhang mit UV-Einstrahlung auch die Bruchsicherheit ein wichtiges Thema. Beim Fixiersystem achtet man darauf, dass es einerseits leicht einstellbar ist und andererseits den ruhigen und sicheren Halt des Helmes am Kopf ermöglicht. Ideal ist eine Kopfbandverstellung mittels einem oder zwei Einstellrädern. Ausreichende Belüftungsöffnungen sind beim schweißtreibenden Einsatz eine Hilfe, um kühlen Kopf zu bewahren. Ein guter Kletterhelm ist für den Outdoor-Einsatz bei Dunkelheit außerdem mit einer Stirnlampenhalterung ausgestattet.

Bekleidung am Klettersteig

Für das Erklimmen der Klettersteige ist atmungsaktives Material sowie eine hohe Abriebfestigkeit ein Muss. Bei anspruchsvollen Kletterpassagen kann man schon mal ins Schwitzen kommen. Deshalb empfiehlt sich ein Funktionsshirt, das die Feuchtigkeit vom Körper wegleitet, wo sie verdunsten kann. Eine Hose mit verstärkten Einsätzen an Knien und Hintern bietet zusätzlichen Schutz vor möglichen Kratzern oder Abschürfungen, Klettersteig-Handschuhe schützen die Hände vor Blasen und abstehenden Drähten am Stahlseil. Da das Wetter im Gebirge rasch umschlagen kann, sollte eine leichte, wetterfeste Funktionsjacke mitgeführt werden.

Schuhe für den Einsatz am Klettersteig

Der Schuh für den Klettersteig muss robust, aber nicht zu schwer sein, um noch genügend Flexibilität und sicheren Tritt zu bieten. Auf den Punkt gebracht muss der Schuh für den Einsatz am Klettersteig ganz einfach gut sitzen und für die nötige Bodenhaftung sorgen. Mit zu weiten Schuhen rutscht man erst im Schuh und dann vom Tritt, zu enge Schuhe verursachen Schmerzen. Geeignet ist ein flexibler und formbeständiger Volllederschuh mit gutem Sohlenprofil, der auch für Wandern und Hochtouren verwendet werden kann. Für leichte Steige ist auch ein Leichtwanderschuh mit flexibler, griffiger Sohle einsetzbar. Neben der Wahl zwischen Leder und synthetischem Obermaterial stellt sich noch die Frage des Futters. Obermaterial aus Leder ist weicher und verändert sich eher, synthetisches Material bietet mehr Formbeständigkeit – dafür ist es weniger atmungsaktiv, sofern der Schuh nicht mit einem entsprechenden Innenfutter ausgestattet ist. Gefütterte Schuhe sind bequemer, aber auch schweißtreibender. Wer in mehreren Kletterdisziplinen daheim ist, sollte sich auf jeden Fall und im Sinne der eigenen Sicherheit, mehrere Paar Schuhe gönnen.

Schwierigkeitsskalen beim Klettersteig

Was für den einen einfach ist, ist für den anderen schwierig. Und umgekehrt. Die Unterschiede entstehen zum Beispiel durch Körpergröße, unterschiedliche Kondition, Tagesverfassung, aktuelles Wetter und vieles mehr. Diese Faktoren können natürlich in keiner Schwierigkeitsskala berücksichtigt werden

Im Laufe der Jahre haben sich einige Schwierigkeitsskalen durchgesetzt und dienen als wichtige Orientierungshilfe bei der Einschätzung von Klettersteigen. Neben der von Schall ist es vor allem die Hüsler-Skala. Eine der wenigen Unterschiede ist die Bezeichnung der Kategorien. Während Schall das ABC zur Unterscheidung verwendet, gelingt das Hüsler mit Zahlen von K1 bis K 6. Was die Zahlen und Buchstaben beider bedeuten, erfahren Sie in der Übersichtstabelle

Klettersteig-Schwierigkeitsskala nach Schall

Die in Österreich sehr gängige Schall-Skala wurde von Kurt Schall entwickelt. Sie reicht A (leicht) bis E (extrem schwierig). Seit kurzem gibt es auch eine Kategorie F/G, die einen „extremst“ schwierigen Klettersteig ankündigt. Wobei sich die Kategorisierung immer auf den klettertechnischen Anspruch bezieht und eigentlich wenig über die Gesamtanforderung des Steiges aussagt. Ob nun zum Beispiel Armkraft oder die Ausgesetztheit des Geländes die Schwierigkeit ausmacht, lässt sich den allgemeinen Bewertungen zumeist nicht entnehmen. Außer bei solchen Skalen, bei denen ausführlich mit Text, Symbolen oder Piktogrammen gearbeitet wird.

Klettersteig-Schwierigkeitsskala nach Hüsler

Die zweite der erwähnten Skalen hat ein Mann erstellt, den man heute beinahe schon als Kletterpapst bezeichnen kann. Seine „Eminenz“ Eugen E. Hüsler hat nicht nur viele Klettersteigführer geschrieben, sondern auch eine Reihe von Lehrbüchern und Ausbildungsbroschüren. Der gute Mann hat im Zuge seiner schriftlichen Werktätigkeit auch eine Skala mit sechs Kategorien erstellt, die ziemlich verbreitet ist. Sie reicht von K1 (leicht) bis zum K 6 (extrem schwierig). Wie schon angedeutet, gibt es natürlich noch viele weitere Skalen, die sich im Prinzip jedoch alle ziemlich ähnlich sind. Zum Beispiel die von Paul Werner oder die nationalen Schwierigkeitsbewertungen in der Schweiz, in Italien oder in Frankreich.

A (wenig schwierig)
K1 (leicht)

 A: Einfache, gesicherte Wege. Angelehnte längere oder senkrechte kürzere Leitern, Geländer und Eisenklammern. Einzelne Stellen können bereits ausgesetzt sein, sind aber einfach zu begehen. Allgemein für trittsichere und schwindelfreie Bergsteiger ohne KS-Sicherung geeignet. Auch für Anfänger.

K1: Meist trassierte Steige, Sicherung im Verhältnis zum Gelände komfortabel. Es gibt große natürliche Tritte. Wo sie fehlen, sind Leitern oder Eisenbügel montiert. Ausgesetzte Passage durchwegs mit Seilsicherung. Für erfahrene Berggänger keine Selbstsicherung notwendig.

B (mäßig schwierig)
K2 (mittel)

B: Bereits steileres Felsgelände mit teilweise kleintrittigen, ausgesetzten Passagen. Senkrechte, längere Leitern, Eisenklammern und Tritte. Der Steig kann schon anstrengend und kraftraubend sein. Auch routinierte Bergsteiger verwenden eine Sicherung.

K2: Bereits steileres Felsgelände, die Route ist aber aufwendig gesichert. Steile oder senkrechte Passagen sind durch Leitern und/oder Eisenklammern entschärft. Auch an weniger schwierigen Stellen sind Drahtseile oder Ketten vorhanden. Selbstsicherung ist ratsam.

C (schwierig)
K3 (ziemlich schwierig)

C: Steiles bis sehr steiles Felsgelände, größtenteils kleintrittige Passagen, die beinahe immer ausgesetzt sind. Leicht überhängende Leitern möglich. Eisenklammern und Tritte können auch etwa weiter auseinander liegen. Teilweise sehr kraftraubend.

K3: Die Route verläuft über längere Strecken in steilem, auch ausgesetztem Felsgelände, ist aber eher großzügig gesichert. Es gibt keine Passagen, bei denen ein kräftiger Armzug notwendig ist. Selbstsicherung erforderlich.

D (sehr schwierig)
K4 (schwierig)

D: Senkrechtes, oft auch überhängendes Gelände. Klammern und Stifte liegen oft weit auseinander. Meist sehr ausgesetzt und oft nur mit Stahlseil gesichert. Große Armkraft, gute Steigtechnik und ein guter Trainingszustand erforderlich.

K4: Steiles Felsgelände mit senkrechten Stellen und gut abgesicherten Überhängen. Vielfach sehr ausgesetzt, natürliche Tritte und Griffe sind oft klein. Auch an exponierten Stellen ist nur eine Drahtseilsicherung vorhanden. Armkraft erforderlich. Künstliche Haltepunkte wie Haken oder Eisentritte lediglich an den schwierigsten Stellen.

E (extrem schwierig)
K5 (sehr schwierig

E: Meist überhängendes Felsgelände. Extreme Anforderungen an Kraft, Steigtechnik Geschicklichkeit, Mut und Moral. Nur für erfahrene Klettersteig-Profis. Optimaler Trainingszustand erforderlich. Rastschlinge zu empfehlen. Alle Anforderungen bei „D“ auf noch höherem Niveau.

K5: Klettersteige in schwierigstem Felsgelände. Sind vielfach lang und auch deshalb anstrengend. Senkrechte Passage mitunter nur mit Drahtseilen versehen. Künstliche Haltepunkte nur in extremen Passagen. Routen für erfahrene Klettersteiggeher, die gut in Form sind.

F/G (extremst schwierig)
K6 (extrem schwierig)

F: Erst seit kurzer Zeit gibt es vereinzelt Klettersteiger in Kategorie F. Klettert man sie ohne zu rasten, fallen sie unter die Kategorie G.

K6: Klettersteiger für absolute Könner mit starken Oberarmen, stählernem Nervenkostüm und tadelloser Kondition. Lange, sparsam abgesicherte Passagen. Bei Sportklettersteigen können Kletterschuhe vorteilhaft sein, eventuell auch zusätzliche Partnersicherung.

Gefahren beim Klettersteiggehen

Gefahren durch Äußere Einlfüsse
Ein normalerweise sicherheitsdienliches Eisen im Fels macht eine Klettertour bei Gewitter zu einem sehr gefährlichen Unterfangen. Nicht dass man als verantwortungsbewusster Kletterer bei so einem Wetter aufbrechen würde, aber Blitz und Donner können jeden einmal überraschen. Und dann wird’s ernst. Denn das Eisen und die Drahtseile wirken wie Blitzableiter und steigern die im Gebirge ohnehin schon erhöhte Blitzschlaggefahr. Eine Gefahr, die man natürlich in keiner Skala abbilden kann. Ebenso wenig wie das Vereisen von Drahtseilen bei einem heftigen Wetterumschwung und die damit verbundene Schwierigkeit des Reibungsverlustes. Das größte Gefahrenpotenzial trägt jedoch der Mensch in sich.

Gefahr der Selbstüberschätzung
Die Hauptursache für Unfälle liegt in der Selbstüberschätzung. Die ungewohnte Ausgesetztheit der Umgebung kann zu psychischen Problemen mit Höhenschwindel und panischen Reaktionen führen. Auch technische und konditionelle Überforderung enden oftmals mit einer Bergeaktion. Diese Eigenverantwortlichkeit und korrekte Selbsteinschätzung lernt man übrigens bei Einsteigerkursen, wo ebenso die Tourenplanung ein wichtiges Thema ist.

Enbstehung und Geschichte von Klettersteigen

„Es ist vollendet, das große Werk!“ Mit diesen Worten beginnt nicht nur der Brief, mit dem der Bergoffizier Dr. J. A. Gebhard der kaiserlichen Hoheit Erzherzog Johann im Jahr 1804 die Ersteigung der Orteles-Spitze in Tirol kundtat. Vielmehr lassen sich diese Worte auch als Beginn der Klettersteig-Geschichte interpretieren.
 
Warum dies tatsächlich der Beginn der Klettersteiggeschichte sein könnte, erschließt sich im nächsten Satz des besagten Schriftstückes. Er lautet: „Und wolle man diese für minder kühne und ungeübtere Steiger zugänglich machen, so müssten an allen diesen Wänden .... eiserne Stifte mit Ringen befestigt und in dieselbe Seile eingehängt werden. (aus: Werner, Kürschner, Huttenlocher, Hemmleb, Klettersteigatlas Alpen, S. 8). Es sollte noch bis ins Jahr 1843 dauern, bis diese erste Vision eines Klettersteiges Wirklichkeit wurde. Allerdings nicht in Tirol, das heute jenes Bundesland mit der höchsten Klettersteigdichte in Österreich ist. Sondern am Dachstein, im oberösterreichisch-steirischen Grenzgebiet. Dort beauftragte der Professor, Alpinforscher und „Dachsteinprofessor“ Friedrich Simony den Bau des ersten „touristischen“ Klettersteiges. Aber erst, nachdem er im Rahmen einer erfolgreichen Crowdfunding-Aktion in österreichischen Adelskreisen insgesamt 260 Gulden dafür gesammelt hatte.

„Touristisch“ war dieser erste Klettersteig deshalb, weil er ausschließlich dem persönlichen Gaudium diente. Ganz im Gegensatz zu den Klettersteigen etwa, die während des ersten Weltkrieges in die Felsen der Berge zwischen Österreich und Italien geschlagen wurden. Sie dienten während des mörderischen Gebirgskrieges militärischen Versorgungszwecken. Die italienische Bezeichnung Via Ferrata geht auf diese Zeit zurück. Natürlich entsprachen die damaligen eisernen Wege keineswegs den heute anerkannten Normen, wie sie das Kuratorium für alpine Sicherheit für den Bau empfiehlt. Viele der damaligen Routen existieren zwar noch immer, der Großteil davon präsentiert sich jedoch völlig saniert ohne wackelige Trittbügel und rostige Seile. Dafür aber mit jener abenteuerlichen Atmosphäre, die aus dem Wissen um ihre damalige Bedeutung resultiert. Und aus dem Ankenden an jene Menschen, die mit schlechterer Ausrüstung und jede Menge Ballast teils unter Beschuss diese Routen meistern mussten.

Nach dieser unerfreulichen Epoche zeichnet die Klettersteig-Entwicklung in Europa ein uneinheitliches Bild, was sich auch an den Schwierigkeitsskalen festmachen lässt. Neben der Hüsler-Skala, entwickelt vom schweizerischen Klettersteigpapst Eugen Hüsler, existieren zum Beispiel noch die Schall-Skala (Österreich) sowie eine italienisch-französische Version. Im Zuge der Entwicklung des alpinen Massentourismus’ nahm auch die Anziehungskraft der Klettersteige zu. Zunächst gab es einen Boom in Frankreich, wo besonders spektakuläre und zum Teil artistische Routen gebaut wurden. Beispielsweise der „Via delle Bocchette“ bei Madonna di Campiglio, der zwischen 1932 und 1972 entstand und die gesamte Brenta-Gruppe durchzieht. Auch in Tirol wurden zu dieser Zeit viele Klettersteige errichtet. Heute zeigt sich ein doppelter Trend. Einerseits zu Superlativen, nach dem Motto: immer höher, immer schwieriger und immer ausgesetzter. Andererseits lässt sich aber auch eine gegenteilige Entwicklung feststellen. Denn Tourismusregionen wollen auch Gäste ohne große alpinistische Erfahrung gewinnen. Zum Beispiel Familien, bei denen der Genuss und das Bergerlebnis im Vordergrund stehen.

Wenn man sich die geschichtliche Entwicklung des Klettersteigbaues ansieht, dann muss man auch jene Diskussionen erwähnen, die es unter Alpinisten von Beginn an gab. Sie gingen in Richtung Entweihung der Berge, Übererschließung und saubere Bergnatur. Dem entgegnete  Reinhold Messner im Jahr 1979 mit folgendem legendären Sager: „Ich bin so vielen glücklichen Menschen auf ihnen (Anm. den Klettersteigen) begegnet, dass ich dafür sein muss (...) und auch ich glaube (...), dass dem gesicherten Klettersteig als verfeinerter Spielform des Gehens die Zukunft gehört.“ Der Mann sollte Recht behalten. Denn heute wird die Sinnhaftigkeit und Attraktivität von Klettersteigen kaum noch in Frage gestellt. Einzig ökologische Aspekte und Übererschließung werden weiterhin kontrovers diskutiert.

Tatsächlich gibt es heute so viele Klettersteiggeher wie nie zuvor. Und entsprechend groß sind auch die Vielfalt und das Angebot an Steiganlagen. Es existieren verschiedene Typen, die sich einerseits durch die Art der Anforderung bzw. der Umgebung und andererseits durch die Art der Absicherung unterscheiden. So etwa sind Alpinklettersteige meist leichte bis mittelschwere Steige in (hoch-)alpiner Umgebung. Sie enthalten oftmals auch Passagen ohne Sicherung und dienen der Erschließung des Gipfels. Sportklettersteige wiederum sind klettertechnisch anspruchsvoll und haben sportlichen Charakter. Anders die Fun-Klettersteige. Bei ihnen geht es durch den Einbau von Seilrutschen, Kletternetzen und Brücken um den sogenannten „Kick“, weniger um das Bergerlebnis. Letzteres bieten alpine Sportklettersteige, wenn auch mit hohen Schwierigkeitsgraden. Sie sind nur mit viel Kraft und Erfahrung zu bewältigen. Dann haben wir noch den ostalpinen Typ mit straff gespanntem Drahtseil, wo die Karabiner laufend am Seil mitgeführt werden. Und den französischen Typ mit lockerem Seil. Der Vorteil: keine Querbelastung am Karabiner. Last but not least gibt es zwei-seilige Steige, mit lockerem und straffem Seil. Aber egal auf welchem Typ man unterwegs ist, eine Tatsache verbindet den gesamten Klettersport: Die Sicherheit steht mehr denn je im Vordergrund! Deshalb zum Abschluss einige Tipps für sicheres Klettersteiggehen.

Tipps für sicheres Klettersteiggehen

  • Bei der Tour-Auswahl nicht nur Schönheit und Spaßfaktor, sondern auch Schwierigkeitsgrad und Länge beachten. Die richtige Einschätzung ist das Um und Auf.
  • Sich anhand guten Führermaterials schon im Vorfeld informieren ob und wo Notausstiege vor-handen sind.
  • Wettervorhersage beachten! Bei Schlechtwettereinbruch oder gar Gewitter im Klettersteig zu sein, ist unbedingt zu vermeiden.
  • Kein Alleingang! Im Notfall ist man zu zweit um ein Vielfaches besser dran.
  • Nur hochwertige Ausrüstung verwenden. Schuhe, Helm, Gurt und Klettersteigset gehören sorgfältig ausgewählt und auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt.
  • Genügend Flüssigkeit und Energieriegel einpacken. Ebenso eine leichte Jacke, Handy und Erste-Hilfe-Paket.
  • Ab dem Einstieg wird bedingungslos gesichert, auch wenn die ersten Passagen leicht aussehen.
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