Klettern für Kinder

Wie Kinder vom "Krakseln" profitieren

Klettern fordert und fördert das Kind

Gleich mal eine Entwarnung für alle Eltern: Klettern richtig ausgeübt ist keine extrem risikoreiche, sondern eine sehr gesunde und vergleichsweise sichere Sportart, die in vielen Schattierungen praktiziert werden kann. Die Palette reicht vom Genuss- bis zum Sportklettern. Beim Klettern im Klettergarten gibt es keine objektiven Gefahren, weil alles gut abgesichert ist. Einfach einhängen und schon geht’s los mit dem Spaß.
Und den positiven Klettereffekten, die da wären:
  • trainiert das Gleichgewichtes, die Koordination und die sensorischen Integration (Zusammenspiel der verschiedenen Sinne)
  • fördert Kraft und Beweglichkeit
  • hilft der Aufmerksamkeit zu fokussieren
  • verbessert die Handlungsplanung
  • steigert das Selbstvertrauen
  • lehrt Verantwortung zu übernehmen und (Kletter-)Partner zu vertrauen
  • hilft mit Ängsten umzugehen
Ganz zu schweigen vom Beziehungsaufbau mit der Natur und dem Erkennen der Notwendigkeit, sie zu schützen. Bleiben wir im Folgenden bei den psychologischen Aspekten des Kletterns und schauen, in welchem Umfeld das Kind diese Fähigkeiten bestmöglich entfalten kann. Psychotherapeutin Anne-Claire Kowald und Psychologin Susanne Wallern formulieren im Jugendmagazin der Naturfreunde „friends“ dazu vier Prinzipien.

Das Prinzip Individualität


Dieses Prinzip fokussiert auf die Bedeutung der Einzigartigkeit, die jedes Kind von sich wahrnehmen soll. Und zwar mit all seinen Stärken, Schwächen und Interessen. Sie sollten dabei besonders die persönlichen kleinen Fortschritte in den Vordergrund holen und den Vergleich mit anderen Kinder hinten anstellen.
Es ist ganz normal, dass sich Kinder nicht stetig weiterentwickeln, sondern manchmal auf eine frühere Entwicklungsstufe zurückkehren, ehe sie zu etwas Neuem übergehen. Das hat den Zweck, erworbene Fähigkeiten zu festigen und zur Routine werden zu lassen.

Das Prinzip Selbstbestimmung


Selbstbestimmung ist beim Klettern deshalb von großer Bedeutung, weil jedes Kind selbst entscheiden darf, wie hoch es klettern und wann es abgelassen werden möchte. Eine Aufgabe eigenständig zu bewältigen, bedeutet für die Autonomie und Selbstständigkeit eines Heranwachsenden einen großen Fortschritt.
Beim selbststimmten Klettern übernimmt das Kind Verantwortung, trifft eigene Entscheidungen und erfährt somit ein bedeutendes Maß an Unabhängigkeit. Das macht es zu Recht stolz.

Das Prinzip „dosierte Motivation“


Dosierte Motivation bedeutet, dass das Kind beim Klettern nur minimal und sehr durchdacht motiviert wird.
Keinesfalls dürfen durch übermäßiges „Pushen“ Angstzustände riskiert werden. Denn nur zu bewältigende Herausforderungen machen Freude. Durch Lob für kleine Erfolge kann die Angst vor Fehlern und Versagen genommen und der Selbstwert gesteigert werden. Kommt ein Kind zu einer schweren Kletterstelle, sollten Erwachsene bei der Lösungssuche nur in begrenztem Ausmaß helfen. Für Kinder ist es ein guter Lernprozess, wenn Erwachsene ihnen bei der Suche nach einer Lösung zwar helfen, aber sie die Lösung selbst vollziehen lassen. Das Motto dabei lautet: So wenig Hilfe wie möglich, aber so viel wie nötig.

Das Prinzip Freude


Dieses Prinzip ist das vielleicht wichtigste. Für Erwachsene sind Erfolg und Stolz oft mit Höhe und dem Erreichen des Ultimativen verbunden. Doch Kindern macht es oft viel mehr Spaß, an einer Stelle zu schaukeln oder ein paarmal hintereinander bis zu einer Höhe von einigen wenigen Metern zu klettern und abgelassen zu werden. Die Richtschnur sollten die individuellen Interessen des Kindes sein, damit es auch weiterhin Spaß daran hat, beim Klettern seinen naturgegebenen Entdeckergeist auszuleben.
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