Burn-out Bekämpfung am Berg

Warum Berge gegen Burn-out helfen

Der Begriff Burn-out ist heute ja in aller Munde. Zum Teil auch wegen Menschen, die es sich selbst diagnostizieren. Sprich Modekrankheit. Dabei gibt es eine ganze Menge von Gründen, ein echtes Burnout wirklich ernst zu nehmen bzw. schon die ersten Anzeichen davor. Immerhin kann es im Extremfall sogar das Ende der beruflichen Karriere bedeuten. Die inflationäre Verwendung des Begriffes resultiert übrigens auch aus der Tatsache, dass es keine allgemein verbindliche Definition dafür gibt. Unbestritten sind jedoch einige Kernsymptome wie emotionale Erschöpfung, Verlust von Idealismus, Frustration, Abnahmen von Kreativität und Leistungsfähigkeit. Die naheliegende Frage lautet also: wie der Burn-out-Spirale am besten entkommen?

Prophylaxe und Therapie

Nach dem Motto, „Vorbeugen ist besser als Psychopharmaka“ kann regelmäßiger Bergsport zu einer vielversprechenden Prophylaxe werden, bei manifestem Burnout sogar eine Therapie sein. Ob es nun Wandern, Klettern oder Skitourengehen usw. ist, was konkret hilft, lässt sich natürlich nicht genau feststellen. Sehr wohl kann im Sinne einer erfolgreichen Prävention allerdings gesagt werden, dass in der Vielfalt und Abwechslung das heilsame Potenzial steckt. Außerdem macht Bergsport in verschiedenen Facetten viel mehr Spaß. Aber worauf begründen sich nun die heilenden Aspekte?

Physis und Psyche

Zunächst einmal aus der Tatsache, dass Bergsport nicht nur körperliche, sondern auch verschiedene psychische und soziale Fähigkeiten stärkt. So etwa weiß jeder Kletterer, dass eine gute Leistung nur dann möglich ist, wenn der Kopf in Hochform ist. Selbstwahrnehmung, Selbsteinschätzung und Selbstvertrauen erweisen sich ebenfalls als essenziell. Genauso wie der Umgang mit Stress und Angst. Darüber hinaus muss die soziale Interaktion mit dem Seilpartner funktionieren. Verbale und nonverbale Kommunikation ist gefragt und ein hohes Maß an Vertrauensbildung.

Wahrnehmung und Fühlen

Wer Bergsport aktiv praktiziert, erlebt die Bewegung in freier Natur zudem nicht nur als bloße Ortsveränderung. Vielmehr verändert sich mit jedem Schritt das Verhältnis zur Umwelt. Und parallel zur Wahrnehmung dieser Veränderung auch das Denken und vor allem das Fühlen. Hinzu kommt die bergsporttypische Auseinandersetzung mit nicht-alltäglichen Situationen in einer herausfordernden Umgebung. Nicht zu vergessen ein weiterer besonderer Aspekt: die Kunst des Sehens und der Achtsamkeit. Schon allein aus Sicherheitsgründen müssen während der Tour viele Dinge beobachtet werden. Das Wetter zum Beispiel, aber auch die Verfassung etwaiger Gruppenmitglieder. Wenngleich das Schauen noch einen viel tieferen Sinn hat. Nämlich aufmerksam sein und registrieren, was rundherum alles geschieht: Die Schönheit der Berge, der Wald, der Fels, das Eis. Schauen kann heilsam sein, vor allem im Hier und Jetzt.

Gegenwart und Zukunft

Achtsam zu sein, zwingt uns nämlich gleichsam ganz nebenbei, im Augenblick zu leben. Das ist gar nicht so leicht, sind wir doch im Alltag und im Beruf meist in der Zukunft unterwegs. Typische Fragen: Was muss ich noch erledigen? Wann krieg ich die Gehaltserhöhung? Oder es beschäftigt uns Vergangenes: Warum habe ich mich damals nicht anders entschieden? Obwohl im Bergsport natürlich Erfahrungen und das Vorausschauen ihre Bedeutung haben, müssen wir uns doch ganz den aktuellen Situationen widmen, um sie erfolgreich zu bewältigen. Zum Beispiel einer Kletterpassage. Keine gute Idee also mit der Stoppuhr in Richtung Gipfel hetzen.

Loslösen von Zwängen

Je mehr sich der Bergsportler an seine Grenzen wagt, je weiter der Alltag entfernt liegt, desto mehr lösen wir uns von inneren Zwängen. Was zurückkehrt sind so natürliche Empfindungen wie Freude, Klarheit und Unbeschwertheit. Wobei sich an seine Grenzen wagen keineswegs unkalkulierbare Abenteuer mit unermesslichem Risiko bedeuten muss. Grenzerfahrungen können im Bergsport auch ganz ohne Verzicht auf größtmögliche Sicherheit gemacht werden. Man denke nur an das professionelle Abseilen bei jemandem, für den Höhe etwas Ungewohntes bedeutet. Was uns direkt zum Resümee führt: Bergsport kann als Therapieform bei psychischen Erkrankungen mit gutem Gewissen eingesetzt werden. Ebenso als Maßnahme zur Vorbeugung. Natürlich richtig dosiert und regelmäßig praktiziert. Idealerweise bis ins hohe Alter.
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