Aufsteigen leicht gemacht!
Was Sie über Tourenskischuhe wissen sollten
Eine wichtige Wahrheit gleich zu Beginn: Ob ein Tourenskischuh aufstiegs- oder abfahrtsorientiert ist, sieht man ihm nicht sofort an. Die bisweilen strapazierte Unterteilung - Zwei- bzw. Dreischnaller ist gleich Aufstiegs- und Vierschnaller ist gleich Abfahrtsskischuh - hält dem Praxistest nicht wirklich stand. Über Stärken und Schwächen eines Schuhes im jeweiligen Einsatzgebiet entscheiden vielmehr die Steifigkeit bzw. die Beweglichkeit der Manschette. Und einige weitere Eigenschaften.
Kernkompetenz
Grundsätzlich stehen dem Tourengeher heute sehr komfortable und in beiden Richtungen performancestarke Schuhe zur Verfügung. Dennoch gibt es mehr als nur nuancierte Unterschiede, die es zu beachten gilt. Tendiert etwa ein Schuh in Richtung All-Mountain oder Freeride, müssen beim Aufstieg schon deutliche Defizite in Kauf genommen werden. Die Kernkompetenz eines aufstiegsorientierten Tourenskischuhes liegt jedoch in seiner Fähigkeit, das Gehen so gut als möglich zu unterstützen. So etwa sind viele aufstiegsorientierte Schuhe mit der sogenannten Überlapp-Konstruktion gebaut. Das heißt, ihre Schale hat keine Zunge, was sie beweglicher und leichter machen soll. Leichter fällt das Gehen auch mit Schuhen, die wenig Gewicht auf die Waage bringen. Spitzenmodelle wiegen heute nur mehr zwei Kilogramm pro Paar. Gefragt sind dann natürlich auch Ski und Bindung in der passenden Gewichtsklasse.
Fixierung
Steckt der Fuß schon mal im bergwärts orientierten Schuh, stellt sich natürlich die Frage, wie man ihn am besten drin hält. Dazu gibt es drei Antworten. Erstens mit drei Schnallen in klassischer Anordnung, soll heißen zwei am Fuß und eine am Bein. Zweitens mit drei Schnallen, wobei nur eine am Fuß und zwei am Bein für Fixierung sorgen. Und drittens mit vier Schnallen. Zwei am Fuß, eine am Schienbein und eine Ratschenschnalle, um die Ferse in Position zu halten. Um Halt, wenn auch am Boden, geht es auch auf schon schneebefreiten Frühlingshängen. Hier kann der Schuh gar nicht komfortabel genug sein. Eine gute, durchgehend griffige Profilsohle ist vor allem dann vorteilhaft, wenn man die Skier einmal liegen lässt und per pedes in Richtung Gipfel klettert.
Maßgeschneidert
Die richtige Größe und Passform sind zweifellos das Hauptthema beim Schuhkauf. „Problemfüßern“ seien thermoverformbare Innenschuhe empfohlen. Die Alternative ist die Schuhkorrektur beim Fachhändler. Wenn das alles nichts hilft, dann hilft nur ein maßgeschneiderter Innenschuh. Wobei hier weniger geschneidert als vielmehr eingeschäumt wird. In Sachen Größe sei angemerkt, dass nur ein knapp sitzender Schuh optimales Skifahren garantiert. Sprich gezielte Steuerimpulse, die nicht im Innenschuh verpuffen dürfen. Weil wir gerade beim Fahren sind: Trotz aller technischer Verbesserungen und Tricks gilt noch immer die schon recht alte Regel, dass ein sehr bequemer Aufstieg mit Abstrichen in der Abfahrt gleichsam bezahlt werden muss. Wenngleich man hier nur auf sehr hohem Niveau klagen kann. Zum Beispiel deshalb, weil zur Verbesserung der Fahreigenschaften bei bestimmten Modellen sogar Spoiler eingesetzt werden. Oder weil auf harten Pisten die Canting-Justierung bei krummen Beinen eine absolute Hilfe ist.