Vorsicht Lawinengefahr!
Was Sie über Lawinen wissen sollten
Die Natur hat ihre eigenen Gesetze. Wer sie befolgt, wird sicherer unterwegs sein. Ein Restrisiko bleibt jedoch immer. Sogar für erfahrene Variantenfahrer und Tourengeher, die sich im lawinengefährdeten Gelände zu bewegen wissen.
Wenn im Winter die Schönheit der schneebedeckten Berge den naturverliebten Tourengeher lockt, dann ist Obacht angesagt. Denn die Lawinengefahr lauert dort oben grundsätzlich immer und überall. Auch im Hochwinter mit seinen typischen Lockerschnee- und Schneebrettlawinen. Erstere erkennt man an ihrem punktförmigen Anriss und ihrer birnenförmigen Bahn talwärts. Sie kommen beinahe nur in steilem Gelände vor und brauchen einen Impuls, der sie auslöst. Zum Beispiel einen Tourengeher im Aufstieg oder beim Schwingen in der Steuerphase, wo er großen Druck auf die Schneedecke ausübt. Die gefährlichere Lawinenart ist jedoch die Schneebrettlawine.
Ausbreitung mit Schallgeschwindigkeit
Die Entstehungsgeschichte einer Schneebrettlawine sieht so aus: Alles beginnt mit einem linienförmigen Anriss, der immer im rechten Winkel zur Hangneigung entsteht und sich mit Schallgeschwindigkeit nach links und rechts ausbreitet. Das Schneebrett entwickelt sich allerdings nicht nur nach beiden horizontalen Seiten, sondern auch in die Tiefe und ebenso in Hangrichtung nach unten. Löst ein Skifahrer so eine Lawine aus, kann das viele Meter unterhalb der Anrisskante geschehen. Deshalb können die Schneemassen direkt um ihn herum sofort abgleiten. Schussflucht praktisch unmöglich! Da fragt schon allein der Selbsterhaltungstrieb energisch nach, wie so eine Lawine entstehen kann.
Viele Faktoren spielen eine Rolle
Ein Faktor für das Entstehen eines Schneebrettes ist zunächst einmal das Wetter. Genauer gesagt ein Zusammenspiel aus Niederschlag, Temperatur und Wind. Letzterer wird gerne als Baumeister der Lawinen bezeichnet. Und zwar deshalb, weil er durch die Verfrachtung von frischem und älterem Schnee einen entscheidenden Teil dazu beiträgt. Denn unter seiner Mitwirkung werden Schneeteilchen zerkleinert und als gebundener Triebschnee abgelagert. Logischerweise besteht ein Zusammenhang zwischen Windstärke und Triebschneeansammlung. Die Temperatur spielt insofern eine Rolle, als eine massive Erwärmung zu einer kritischen Situation führt, die sich jedoch ganz gut kalkulieren lässt. Langsame Erwärmung fördert die Setzung der Schneedecke und damit die Bindung zwischen den Schichten. Warme Tagestemperaturen und kalte Nächte wiederum führen zu einer guten Verfestigung der Schneedecke. Fortdauernde Kälte hingegen verhindert die Setzung und kann bei geringer Schneehöhe die Bildung von Schwimmschnee begünstigen.
Gute und schlechte Bedingungen
Zum Thema Niederschlag sei festgehalten, dass Schneefall nicht gleich Schneefall ist. Flockt es schnell und intensiv vom Himmel, steigt die Lawinengefahr. Entscheidender jedoch ist das Zusammenspiel von Temperatur und Wind. Unter ungünstigen Bedingungen versteht man zum Beispiel starken Wind ab 50 km/h plus tiefe Temperaturen unter minus 8°C. Plus eine ungünstige Altschneeoberfläche, die als Gleithorizont dient. Zum Beispiel Schmelzharsch, Reif oder Blankeis. Günstige Bedingungen wären Windstille, Temperaturen nur wenig unter Null und Regen, der in Schnee übergeht. Damit alles noch komplexer wird, gilt es aber auch das Gelände mit ins Kalkül zu ziehen.
Mehr Lawinen auf Schattenhängen
Geländeformen beeinflussen die Windrichtung und damit die Schneeverfrachtung. Stark kupierte Topografie kann eine Schneedecke auch stützen. Die Hangrichtung bestimmt nicht nur Luv- und Leeseite, sondern auch die Temperatur der Schneedecke. So setzt sich die Schneedecke auf Schattenhängen nur langsam, ganz im Unterschied zur Südseite. Deshalb ereignen sich 56 % aller Lawinenunfälle auf NW bis NO-Hängen. Auf Südhängen nur 30%. Doch damit nicht genug der Komplexität. Ebenso gilt es die Hangneigung zu beachten. Denn die Steilheit bildet in „Zusammenarbeit“ mit den Gleitschichten und dem gebundenen Schnee die Voraussetzungen für eine Schneebrettlawine. Für die Festlegung der Hangsteilheit nimmt man übrigens seine steilste Stelle. Dazu wieder eine Statistik: 97 % aller Unfälle ereignen sich auf Hängen mit über 30 Grad Neigung.
Stabile Schneedecke
Leider können Schneedecken allein schon aufgrund der wechselnden Wetterbedingungen im Verlauf eines Winters nie homogen sein. Sie bestehen vielmehr aus unterschiedlichen Schichten, die sich sowohl in Festigkeit, Kristallform, Feuchtigkeit und Temperatur unterscheiden. Steigt die Festigkeit gleichmäßig von der Oberfläche bis zum Boden an, spricht man von einem stabilen Aufbau. Noch wichtiger ist die Art und Weise, wie die verschiedenen Schichten miteinander verbunden sind. Sprich basale Scherfestigkeit. Je geringer sie ist, desto gefährlicher.
Zentraler Faktor Mensch
Tatsächlich ist der Mensch der wichtigste Lawinenfaktor. Sein Verhalten entscheidet. Deshalb sind eine gewissenhafte Tourenplanung, aufmerksame Beobachtung und risikobewusstes Entscheiden so wichtig. Drei Punkte gilt es zu beachten, um die Lawinengefahr halbwegs abzuschätzen. Erstens die Steilheit des Hanges. Zweitens die Beschaffenheit des Schnees, also locker oder gebunden. Und drittens, ob es schwache Bindungen zwischen den Schichten gibt. Natürlich empfiehlt sich auch ein Blick auf den Lawinenbericht. Dann sollte man sich zumindest grundsätzlich auf der sicheren Seite befinden.
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